AMD auf Angriffskurs, auch Broadcom geht in die Offensive, Nvidia zeigt sich unbeeindruckt und Intel bleibt auf der Verliererseite
Im KI-Segment deutet sich vorsichtig eine Neusortierung an
Seit Jahren schon hat Nvidia den Markt um KI-Chips fest in seiner Hand. Zwar ist es nicht so, als würde es überhaupt keine Konkurrenz geben. Doch bisher konnte dem grünen Giganten weder in Sachen Hardware noch bei der Software jemand das Wasser reichen. Dabei muss es aber nicht bleiben und die Konkurrenz scharrt weiter mit den Hufen.
Große Ziele hat sich AMD (US0079031078) gesetzt. Bereits bei der ersten Vorstellung der für das kommenden Jahr angedachten MI450-Chips tönte das Unternehmen stolz, die Konkurrenz in jeglicher Hinsicht übertrumpfen zu wollen. Im Rahmen der Goldman Sachs Communicopia + Technology Conference 2025 bekräftigte AMDs Date-Center-Chef Forrest Norrod dieses Narrativ nun noch einmal. Sowohl beim Training von KI als auch bei Inferenz soll MI450 demnach eine Revolution darstellen.
Solche kühnen Worte steigern das Selbstvertrauen der Aktionäre und so konnte die AMD-Aktie am Freitag um 1,9 Prozent bis auf 158,57 US-Dollar zulegen. Auf Wochensicht ging es um fast fünf Prozent in die Höhe mit dem Kurs. Momentan scheint eine echte Aufholjagd gegenüber Nvidia noch fast unvorstellbar zu sein. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass AMD aus einer schwierigen Lage heraus einen Markt im Sturm erobert.
Broadcom und der geheimnisvolle Kunde
Mitmischen im Ringen um Marktanteile könnte in Zukunft auch Broadcom (US11135F1012). Bisher ist davon zwar noch nichts zu sehen, doch bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen berichtete das Unternehmen über milliardenschwere Aufträge für maßgeschneiderte KI-Chips. Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgte ein Auftrag mit einem Volumen von zehn Milliarden Dollar für einen nicht näher benannten Kunden. An den Märkten sind sich einige Beobachter schon sicher, dass es sich dabei um den ChatGPT-Entwickler OpenAI handelt.
Letzterer hat ein großes Interesse daran, Abhängigkeiten von Nvidia zu verringern und gleichzeitig die Preissetzungsmacht aufgrund der dominanten Stellung zu reduzieren. Sollten die Gerüchte sich bewahrheiten, wäre Broadcom ein großer Profiteur davon. Entsprechend gut gelaunt zeigen sich die Aktionäre. Am Freitag ging es zwar sehr ruhig zu, doch im 5-Tages-Vergleich verbesserte sich die Broadcom-Aktie um 7,5 Prozent und seit Jahresbeginn ging es schon um 55 Prozent in die Höhe.
Nvidia: Vollkommen unbeeindruckt
Was die Zukunft bringen mag, das kann niemand mit Sicherheit wissen. Für den Moment aber bleibt Nvidia (US67066G1040) erst einmal unantastbar und die Anleger zeigen sich wenig beeindruckt von Gerüchten und verbalem Säbelrasseln der Mitbewerber. Der Aktienkurs hing nach den Quartalszahlen nur kurz durch, begibt sich aber schon wieder in Richtung Norden. Ins Wochenende verabschiedete man sich mit 177,82 Dollar und damit nicht weit entfernt vom Allzeit-Hoch bei 184,48 Dollar.
Fraglich ist bei den Aktivitäten der Konkurrenz auch, ob dort Weiterentwicklungen bei Nvidia berücksichtigt werden. Es mag möglich sein, Blackwell und Blackwell Ultra zu übertreffen. Was aber die kommende Chip-Generation Rubin zu leisten vermag, ist noch weitgehend offen. Die Entwicklung steht bei Nvidia nicht still. Daher gibt es momentan auch noch keinen wirklichen Grund, um an der weiteren Dominanz zu zweifeln und selbst wenn hier und dort sich Marktanteile verschieben sollen, wären die Aussichten auch weiterhin ausgesprochen sonnig.
Intel auf der Seitenlinie
Ob Intel (US4581401001) jemals im KI-Rennen mitmischen wird, ist fraglicher denn je. Der einst größte Chipkonzern der Welt hat die Technologie vollständig verschlafen und heute nicht einmal ansatzweise konkurrenzfähige Hardware im Angebot. Noch dazu wird derzeit im Rahmen einer Neusortierung ausgemistet. Zahlreiche Köpfe verlassen den Konzern. Zuletzt traf es Ronak Singhal, der fast 28 Jahre bei Intel angestellt war, über 30 Patente in den Konzern brachte und etliche Auszeichnungen einheimste. Zuletzt war er zuständig für die CPU-Kerne.
Der Fokus bei Intel liegt momentan augenscheinlich nicht mehr darauf, im GPU-Bereich große Sprünge zu machen. Sehr viel wichtiger ist dem Konzern, endlich seine Fertigung auf die Reihe zu bekommen. Beim nächsten Fertigungsschritt sollen die Bedürfnisse potenzieller Kunden im Vordergrund stehen, um endlich große Aufträge an Land ziehen zu können und damit die Verlustzone eines schönen Tages verlassen zu können. Die Märkte zweifeln weiterhin daran, dass dieses Kunststück gelingen wird. Der schwer angeschlagene Aktienkurs gab am Freitag wieder um 2,2 Prozent auf 24,08 Dollar nach.
KI bleibt im Trend
Mitnehmen lässt sich aus den jüngsten Entwicklungen, dass der KI-Boom noch immer sehr lebendig ist und Sorgen um ein Abflachen in den Hintergrund treten. Ob Nvidia bis in alle Ewigkeit seine Vormachtstellung erhalten kann, sei dahingestellt. Doch solange die generelle Nachfrage sich auf einem derart hohen Niveau bewegt, steht das Thema an der Börse weiterhin im Fokus und bringt für Anleger auch unverändert interessante Chancen mit sich.
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13.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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