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Amazon: Brillante Quartalszahlen

Qualitäts- und Gewinnausbau auf allen Geschäftsebenen

 

Weit über alle Analystenerwartungen hinausgehend bescherte die Corona-Pandemie dem mit Abstand weltgrößten Onlinehandels-Konzern AMAZON.COM (US0231351067) im zurückliegenden 2. Quartal ein in der Historie bislang noch nie erreichtes Rekordergebnis.

Die Analysten nahmen diese herausragenden Quartalszahlen daher auch in der Breite sofort zum Anlass, ihre mittelfristigen Kursziele für die Aktie deutlich anzuheben.

Entsprechend legte die Aktie nach Publikation des Quartalsergebnisses bereits am 30.07. nachbörslich sowie im gestrigen Tagesverlauf um knapp 4 % auf 3174 USD zu.

Da die Aktie eine Position in unseren beiden Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV und VERMÖGENSSTREUUNG darstellt, erörtern wir die Ergebnisvorlage von Amazon.com nachstehend detaillierter.  

 

Chart: AMAZON.COM gegen MSCI WORLD - Index (jeweils in Euro)

 

Chart: Amazon gegen MSCI World - Index

 

Ergebnis 2. Quartal und Ausblick 3. Quartal 2020

 

Die am 30.07. nachbörslich vorgelegten Quartalszahlen von AMAZON.COM fielen herausragend aus und schlugen alle Analystenerwartungen. Bei der Erzielung ihres mit Abstand höchsten Quartalsumsatzes wie auch -Nettogewinns der Unternehmensgeschichte profitierte Amazon.com im 2. Quartal dabei vor allem von der mehrwöchigen Schließung vieler Präsenzhandelsgeschäfte während des Corona-Lockdowns wie aber auch dem gleichzeitigen massiv verstärkten Trend zur Einrichtung von Home Office-Arbeitsplätzen.

Der Konzernumsatz von Amazon schnellte im 2. Quartal gegenüber dem Vorjahr gleich um + 40,2 % auf 88,9 Mrd. USD nach oben, während die Analysten hier im Konsens zuvor lediglich eine Umsatzerzielung von 81,6 Mrd. USD erwartet hatten. Gar noch weit stärker explodierte der Konzernreingewinn um + 99 % auf 5,2 Mrd. USD oder umgerechnet 10,30 USD je Aktie, womit die vorherige Konsensschätzung der Analysten von nur 1,46 USD je Aktie regelrecht atomisiert wurde.

Basis der exzellenten Geschäftsentwicklung von Amazon im 2. Quartal war im Umfeld der ausgeweiteten Corona-Pandemie dabei vor allem eine hervorragende Ausweitung seiner Umsätze eigener betriebener Online-Shops um insgesamt + 48 % auf rd. 46 Mrd. USD, also entsprechend knapp 52 % des gesamten Konzernumsatzes. Hierbei räumte Amazon ein, dass gerade in diesem Segment trotz der Schließung vieler Verkaufsläden ihre eigenen kühnsten Erwartungen übertroffen worden seien, was ebenso aber auch für die gesamte Konzernumsatzerzielung im 2. Quartal galt (eigene vorherige Prognose-Guidance von Amazon nur rd. 75 – 81 Mrd. USD). Eine besonders dramatische Bestell- und Umsatzerhöhung stellte Amazon im Zuge der Corona-Krise dabei gerade bei Kunden des PRIME-Services fest, die von der Möglichkeit kurzfristigster und dazu gänzlich kostenfreier Lieferungen hochgradig Gebrauch machten.

Die Umsätze in Online-Bestellabwicklungen für Drittanbieter („Amazon Marketplace“) schossen gar um 53 % nach oben, nachdem diese häufig auch über den Geschäfts-Direktvertrieb agierenden Kunden zur Kompensation eigener Geschäftsschließungen und Umsatzausfälle Amazon während der Corona-Pandemie die Tür zur Bereitstellung weiterer Online-Absatzkapazitäten oder der gänzlich neuen Einrichtung weiterer Amazon Marketplaces regelrecht einrannten. Gleiches galt auch für das 41 %-ige Umsatzwachstum in Werbeeinnahmen, die für Amazon als ein gefragtester Serviceanbieter während der Corona-Phase ebenfalls sprudelten.

Allein die Webservice-, IT- und Datenspeicherungs-Cloud Sparte (Plattform AWP) enttäuschte mit einem - sequentiell zudem auch anhaltend rückläufigen -  Wachstum im 2. Quartal von „nur noch“ + 29 % gegenüber dem Vorjahr leicht, da im gleichen Zeitraum beispielsweise die Cloud-Plattform des Konkurrenten GOOGLE mit einem Umsatzwachstum von über + 43 % sogar noch deutlich starker vom zunehmenden Home Office-Trend der letzten Wochen profitierte. Hier muss Amazon also um seine bisherige unbestrittene internationale Konsumenten-Cloud-Marktführerschaft nicht nur gegenüber GOOGLE, sondern ebenso auch gegenüber der gleichfalls stark aufstrebenden Cloud-Plattform „Azure“ von MICROSOFT doch zunehmend bangen, was für die Zukunft als der derzeit sicher kritischste Punkt in der gesamten aktuellen Konzernstrategie von Amazon.com weiter genau im Auge zu behalten ist.

Von hohem Beleg für die exzellente Qualität der Konzernumsatzentwicklung von Amazon im 2. Quartal war zudem, dass sich diese geographisch nahezu gleichermaßen stark auf den Heimatmarkt Nordamerika (Umsatz + 43 %) wie auch das darüber hinausgehende internationale Geschäft (+ 38 %) erstreckte.

Sogar noch weitaus beeindruckender fiel hingegen im 2. Quartal die Gewinnentwicklung von Amazon aus. Nicht nur konnte der operative (EBIT-) Betriebsgewinn gegenüber Vorjahr um stolze + 89 % auf 5,8 Mrd. USD ausgebaut werden, auch der nochmals stärkere Reingewinnanstieg um + 99 % auf 5,2 Mrd. USD radierte die zuvor annähernd bei einem Zehntel (!!) dieser Summen liegenden Analystenschätzungen völlig aus.

Hintergrund, warum die Analysten gerade in ihren Gewinnschätzungen im 2. Quartal derart daneben lagen bzw. von Amazon offenbar gänzlich auf dem falschen Fuß erwischt wurden, dürfte dabei einzig und allein gewesen sein, dass Amazon zuvor a) aufkommende Corona-Kostenbelastungen im 2. Quartal von nicht weniger als 4 Mrd. USD, verbunden u.a. mit 175.000 Logistik-Mitarbeiter-Neueinstellungen angekündigt hatte und b) die Analysten offenbar auch bei Amazon eine massive Störung der Warenzu- und -auslieferungsketten im Zuge des 2. Corona-Quartals erwartet hatten.

Dass Amazon auch noch völlig ungeachtet dieser milliardenschweren Corona-Kostenbelastungen jedoch dennoch nun im 2. Quartal einen derart astronomisch hohen Rekordgewinn eingefahren hat, war hingegen nach Konzernangaben gerade darauf zurückzuführen, dass es sowohl wegen der glänzenden Markt- und Zulieferer-Netzwerkposition von Amazon wie aber auch der bereits vorangegangenen Logistik- und Personalkapazitätsbereitstellungen im Vorfeld der generell kommenden saisonstarken Urlaubsquartale - völlig entgegen allen Analystenbefürchtungen - zu nahezu keinerlei Lieferkettenstörungen im 2. Quartal, weder auf der Einkaufs-, noch auf der Absatzseite gekommen war. Zudem konstatierte Amazon im Rahmen der Bilanzpressekonferenz, dass die Kaufneigung nach hochwertigeren bzw. margenstärkeren Produkten im Laufe des 2. Quartals mit Fortschreiten von Lockdown-Aufhebungen selbst auch im Online-Handel von Amazon ebenfalls wieder kontinuierlich angestiegen sei.

Völlig nachvollziehbar gibt Amazon nach dieser herausragenden Ergebnisentwicklung daher nun neue Projektionen für das laufende 3. Quartal ab, die ebenfalls oberhalb der bis dahin gültigen Analystenkonsensschätzungen liegen. So soll nun ein Umsatz von rd. 87 - 93 Mrd. USD (= + 24 - + 33 % gegenüber dem Vorjahr bzw. etwa auf Höhe des 2. Quartals) erzielt werden, während der Analystenkonsens hier bisher nur bei 86,3 Mrd. USD lag. Die Spanne des voraussichtlichen operativen EBIT-Betriebsgewinns im 3. Quartal bemisst Amazon hingegen sehr breit auf ca. 2 - 5 Mrd. USD, was aber in jedem Fall einen Rückgang gegen über dem im 2. Quartal erzielten EBIT-Gewinn von 5,8 Mrd. USD bedeuten würde. Die Erklärung hierfür liegt zum einen in der durch die Corona-Pandemie bedingten generell sehr hohen Kalkulationsunsicherheit gerade auf der Ebene der Gewinne, jedoch auch in dem von Amazon bereits angekündigten weiteren Anfall von Corona-bezogenen Kosten im 3. Quartal von voraussichtlich rd. 2 Mrd. USD.

 

Aktienbewertung und Anlageurteil

 

Amazon.com publizierte am 30.7. ein hervorragendes Ergebnis zum 2. Quartal, welches unter dem Aspekt hoher operativer Corona-Kostenbelastungen nicht besser hätte ausfallen können und per Saldo über die Umsatzseite unter dem Strich sogar von der Corona-Pandemie begünstigt wurde.

Daher ist es nur angemessen und sehr vorausschauend, dass Amazon für das 3. Quartal gegenüber dem 2. Quartal nun indirekt ein leichtes Schwinden dieses positiven Corona-Effekts wie auch damit einen leichten Rückgang der Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahr auf „nur“ noch + 24 - + 33 % (im Umsatz) bzw. auf maximal + 56 % (im Betriebsgewinn) antizipiert.

In jedem Fall ist es bei mindestens gerechtfertigter Beibehaltung aller kommenden Quartalsgewinntaxierungen der Analysten jedoch nun angebracht, den um rd. 10 USD je Aktie höher als geschätzt ausgefallenen Reingewinn des 2. Quartals nun voll auf die bisherige 2020er Gesamtjahres-Konsensgewinnschätzung von derzeit rd. 31 USD je Aktie aufzuschlagen.

Durch diesen Aufschlag ergibt sich also nunmehr ein für 2020 angemessen zu prognostizierender Reingewinn von rd. 41 USD je Aktie (= + 32 % gegenüber der vorherigen Konsensschätzung). Die nach der Vorlage der Quartalszahlen ebenfalls vorgenommene Konsenskurszielanhebung der Analysten von zuvor rd. 3100 USD auf nunmehr über 3500 USD je Aktie (= Kurspotenzial von 10 % gegenüber heutigem Schlusskurs von 3174 USD) erscheint daher im mindesten Falle als angemessen, wenn nicht gar als konservativ (höchste Kurszielschätzung derzeit: 4200 USD durch Goldman Sachs).

Selbst gemäß dem aus unserer Sicht nun genauso anhebungsbedürftigen, langfristigen Analystenkonsens bis Ende 2022 eines Reingewinns von rd. 62 USD je Aktie würde sich für die Amazon-Aktie außerdem bereits ein sehr überschaubares KGV (2022e) von nur noch 51 einstellen (KGV Ende 2020 auf angemessener neuer Gewinnschätzungsbasis von 41 USD je Aktie dagegen noch 77). Ein solches KGV-Niveau wird dem auch langfristig ohne Zweifel weiterhin rasanten Geschäftswachstum von Amazon mehr als gerecht.

Zudem sei angemerkt, dass Amazon strategisch jetzt offenbar dazu übergeht, künftig nun auch in der gesamten Wertschöpfungskette seiner Online-Handelsdienstleistungen an weiteren Stellschrauben einer lückenlosen Ertrags- und Gewinnmaximierung zu drehen. In der Reife ihres mittlerweile weltweit einzigartigen Entwicklungsstadiums ist eine derartige Wertschöpfungs- und Marktdurchdringungsmaximierung auf allen Ebenen des Dienstleistungsangebots ohne Frage nun genau das richtige Konzept für die langfristige Zukunft, was in jedem Fall noch weitere hohe und zudem sehr stabile Zusatzerträge für Amazon liefern wird.

Beispiele hierfür sind weniger der doch sehr futuristische Plan, über die Übernahme des „Robotaxi“-Startups ZOOX künftig möglicherweise bereits eine voll automatisierte und autonom gesteuerte Auslieferungs-Fahrzeugflotte aus dem Boden zu stampfen, sondern ebenso auch die Vorhaben, künftig einen gänzlich eigenen weltweiten Paketzustellservice mit Angebot auch für Dritte aufzubauen (direkte Bedrohung für alle bisherigen klassischen Paketlieferdienste) oder die jetzt erhaltene Staatsgenehmigung der USA, dort weitere 3236 Internetsatelliten in einer Investitionssumme von 10 Mrd. USD zu stationieren. Diese Stationierung im Rahmen von Amazon’s sog. „Projekts Kuiper“ dient dabei zwar zunächst allgemein der Perfektionierung in der flächendeckenden Herstellung von schnellsten und stabilsten Breitband-Internetzugängen für alle bestehenden US-Haushalte und soll künftig sogar auch über die USA hinaus ausgeweitet werden. Jedoch hat dieses Projekt aber letzten Endes genau wie auch der geplante Aufbau eines komplett eigenständigen Paketversandservices natürlich einzig und allein die qualitative und dadurch fraglos ertragsmaximierende Perfektionierung der eigenen Konzerndienstleistungen an jedem nur denkbaren Punkt ihrer Wertschöpfungskette im Visier (entweder auf der Ebene des Bestell- oder des Liefervorgangs).

Die jetzige Aktienbewertung wie auch die langfristig weiterhin hochgradig gegebenen Gewinnausweitungsperspektiven eröffnen daher künftig in jedem Fall noch weitere deutliche Kurspotenziale in der Amazon-Aktie, die wir somit nach wie vor als klar kaufenswert einstufen. Die Bestandspositionen in unseren Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV und VERMÖGENSSTREUUNG behalten wir selbstverständlich ebenfalls unverändert bei.

 

01.08.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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