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BASF: Unverändert VERKAUFEN – Optische Bewertungsattraktivität durch ausgeprägte 2022er Ergebnisrisiken stark relativiert

Geschäftszweig Batterierecycling langfristig vorteilhaft, aber zunächst kaum relevant

NTG24 - BASF: Unverändert VERKAUFEN – Optische Bewertungsattraktivität durch ausgeprägte 2022er Ergebnisrisiken stark relativiert

 

Entgegen dem in der letzten Woche um – 2,4 % abgeschwächten MSCI World (Euro)-Gesamtindex verbuchte die Aktie von BASF, dem zu den Weltführern zählenden Produzenten diverser Industriechemikalien für das Automobil-, Elektro-, Bau-, Konsum-, Pharma- und Agrarwesen sowie zusätzlichen Öl- und Gasförderaktivitäten über ihrer 72,7%ige Beteiligung Wintershall DEA, einen Wochengewinn um + 5,2 %, nachdem die Aktie seit der sich anbahnenden Besetzung der Ukraine durch russische Militärtruppen vom 16.02. bis zum 07.03. im Tief um fast – 32 % auf nur noch 47,23 EUR abgestürzt war.

Abgesehen davon, dass die Analysten der Aktie von BASF (DE000BASF111) beruhend auf ihrem aktuell optisch sehr niedrigen KGV (2022e) von rd. 9,7 sowie einer gleichzeitigen Dividendenrendite (2022e) von rd. 6,5 % momentan im Konsens auch weiterhin eine vermeintliche Unterbewertung um – 38 % attestieren (mittleres Kursziel ca. 75 EUR), dürfte die Aktie in der letzten Woche insbesondere von der relevantesten positiven Unternehmensnachricht beflügelt worden sein, dass der Konzern am Nachmittag des letzten Freitags (04.03.) den Abschluss eines Grundstückkaufvertrags in der zur kanadischen Provinz Québec gehörigen Stadt Bécancour vermeldet hatte, wo mit voraussichtlichem Betriebsstart in 2025 eine in Nordamerika führende Anlage zur Herstellung von Kathodenmaterialien insbesondere in Form von Nickel-, Kobalt- und Lithium-Metallen mittels Raffinierung wie aber auch dem Recycling von Altbatterien errichtet werden soll.

Die mit Errichtung dieses Werks durch entsprechende Verhüttungs- und Recyclingprozesse angestrebte eigenständige Gewinnung von Nickel, Kobalt, Lithium und Mangan in einer künftigen Gesamterzeugungskapazität (inkl. bereits laufender weiterer US-Produktionen) von bis zu 100000 Tonnen jährlich soll dabei vor allem in der Herstellung modernster Automobilantriebs-Komponenten (gerade auch im Segment der Elektrofahrzeuge) Anwendung finden.

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Werbebanner EMH PM TradeBASF hat dieses Segment im letzten Jahr für den Konzern als ein neues, hoch wachstumsdynamisches Zukunftssegment definiert, aus dem man sich in den kommenden Jahren auch über eine weitere entsprechende Pilotanlage, die 2023 gleichfalls an dem schon seit 1990 betriebenen Standort Schwarzheide (Brandenburg) an den Start gehen soll, hoch lukrative Zusatzerträge verspricht, zumal hiermit nun auch gleichzeitig die für den Automobilbau derzeit stark herausfordernde, extreme Abhängigkeit von Russland-Importen der entsprechenden Metalle sicher zu einem nicht unerheblichen Teil vermindert wird (siehe hierzu z.B. auch unsere vorgestrige Analyse zu MERCEDES-BENZ (DE0007100000) hier, die der Konzern nun künftig ebenfalls mit eigenen neuen Batterierecycling-Aktivitäten beantworten wird).

 

Zunehmende Ergebnisrisiken für 2022 weitaus relevanter als neue Batterierecycling-Aktivitäten

 

Nichtsdestotrotz halten wir es jedoch für zwingend geboten, dem nach der Vorlage ihres insgesamt schwächer als erwartet ausgefallenen Jahresergebnisses 2021 bereits ebenso enttäuschenden Konzernausblick für 2022, der nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs nach unserer Erwartung künftig mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter nach unten angepasst werden dürfte, in der Gesamtbewertung der BASF-Aktie auch weiterhin ein deutlich stärkeres Augenmerk zu schenken als den o.g. nur sehr punktuellen und dazu im Fall ihres künftigen Batterie-Recyclings erst ab 2023 sukzessive anlaufenden Aktivitäten.

Für den Moment stufen wir es als fundamental weitaus relevanter ein, wie wir es auch schon in unserer letzten ausführlichen Analyse zu BASF vom 01.03. klar zum Ausdruck gebracht haben, dass der Vorstand des Konzerns, angeführt von CEO Martin Brudermüller, vor allem aufgrund erwarteter weiterer Kostensteigerungen im Energieinput- (vor allem Öl und Gas), Logistik- und allgemeinen Verwaltungsbereich bei einem bereits antizipierten rückläufigen Umsatz in 2022 (nur noch ca. 74 – 77 Mrd. EUR nach 78,6 Mrd. EUR im Vorjahr) nun zunächst bereits einen nochmals stärker rückläufigen operativen EBIT-Gewinn (ca. 6,6 – 7,2 Mrd. EUR versus 7,7 Mrd. EUR in 2021) in Aussicht gestellt hat.

Wie stark sich aber auch diese natürlich noch vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs erstellte Konzernprognose künftig als weiter herabstufungsgefährdet erweisen könnte, geht jedoch alleine schon daraus hervor, dass der Konzernvorstand diesem Ergebnisausblick auf 2022 einen durchschnittlichen Ölpreis (Brent) von gerade einmal nur 75 USD/Barrel (!) zugrunde gelegt hat, was wir ausgehend vom aktuellen Preis von 108 USD, der in der Spitze in den letzten Tagen sogar auch schon einmal kurzzeitig 135 USD/Barrel erreicht hatte, selbst auch im Falle einer künftigen Rückkehr des Iran an den Welt-Ölmarkt und der weiteren, sicher ebenfalls künftig ölpreisdämpfenden Verschlechterung der Weltkonjunkturaussichten für 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs jedoch dennoch schon jetzt fast für eine reine Makulatur halten.

Nachdem uns somit also schon eine Neukalkulation ihrer operativen Öl- und damit verbundenen gesamten Energieinput-Preiskalkulationen bei BASF (inkl. z.B. auch von Naphta oder Gas) in einem (vom Konzern sicher verfolgten) kaufmännisch vorsichtigen Berechnungsmaßstab bereits jetzt als stark anpassungsbedürftig erscheint, stellt sich auf der anderen Seite für uns aber auch nun gleichfalls die Frage, ob die von BASF im Ausblick für 2022 vehement angekündigten, vermeintlich umsatzfördernden Preiserhöhungspläne (z.B. für diversen chemischen Antioxidantien und verwandten Additive ab sofort nun um bis zu + 35 %) angesichts der von führenden Wirtschaftsverbänden nun bereits erfolgten Rücknahme ihrer BIP-Wachstumsprognosen (z.B. EZB für die Eurozone in 2022 nun von 4,0 % auf 3,7 %, was wir jedoch aus heutiger Sicht noch als deutlich zu optimistisch einstufen) denn tatsächlich ebenso auch nachfragebedingt künftig in voller anvisierter Höhe ohne eine gleichzeitige Minderung des Produktabsatzes durchsetzbar sein werden.

Folglich erscheint uns daher auch schon bereits auf der Umsatzebene die bisherige Kalkulation des BASF-Vorstands mit einem mittleren Rückgang um nur ca. – 4 % in 2022 derzeit eher als fraglich und vermutlich zu positiv.

 

Starker Wertberichtigungsbedarf der Wintershall DEA-Beteiligung

 

Denn zudem ist außerdem zu berücksichtigen, obwohl natürlich gerade ihre 72,7 %-Beteiligung an Winterhall DEA als einzige von den zuletzt explodierten Öl- und Gaspreisen ausgesprochen profitiert, dass dieser Preisbegünstigung des Konzerns nun gleichfalls eine direkt massiv vorzunehmende Bewertungsabschreibung in der BASF-Bilanz (per Ende 2021 noch mit 9,6 Mrd. EUR angesetzt) entgegensteht, die sich über die von Wintershall DEA selbst bereits angekündigte Abschreibung von 1 Mrd. EUR für die voraussichtlich endgültig gestoppte Inbetriebnahme der Gaspipeline Nordstream 2 hinaus (= 730 Mio. EUR Darlehensfinanzierung + restliche 270 Mio. EUR als Inbetriebnahme-Abschreibung) noch auf erhebliche nun vorzunehmende weitere Wertberichtigungen der Öl- und Gas-Explorationsreserven von Wintershall DEA erstreckt, da diese bislang insgesamt zu rd. 50 % in Russland unterhalten wurden.

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Da entgegen den von Wintershall DEA künftig gleichfalls komplett gestoppten Neuprojekten in Russland der Konzern künftig jedoch zumindest an seiner Erdgasförderung in Sibirien festhalten wird und die russische Regierung zumindest offiziell außerdem angekündigt hat, dass sämtliche vertraglichen Gaslieferverpflichtungen Russlands an die übrigen europäischen Staaten angeblich völlig unverändert (vorbehaltlich nun natürlich „kriegsbedingter Logistikstörungen“) aufrecht erhalten werden, stufen wir den Ansatz z.B. von AlsterResearch in ihrer jüngsten BASF-Studie, diese angemessene Beteiligungsbewertung von Wintershall DEA bei BASF nun insgesamt „nur“ um 3,5 Mrd. EUR (= rd. 5,5 % des aktuellen BASF-Firmenwerts) zu reduzieren, jedoch insgesamt als vertretbarer ein, als eine vollständige 50 %ige Beteiligungswert-Abschreibung auf Wintershall DEA vorzunehmen, wie dies z.B. das Analysehaus DZ Bank in ihrer letzten Studie noch wesentlich konservativer praktiziert hat.

 

Aktienbewertung durch hohe 2022er Ergebnisrisiken stark relativiert, unverändert VERKAUFEN

 

Nichtsdestotrotz, dies als Fazit unseres Analyse-Updates, überwiegen die durch den Ukraine-Kriegsausbruch nunmehr nochmals gravierenderen Ergebnisrisiken für 2022 wie zudem auch die Frage der künftigen Aktienmarkt-Bewertung von Wintershall DEA im Falle ihres tatsächlichen Börsengangs in 2023 die langfristig neue Batterie-Recyclingaktivitäten von BASF doch bei weitem.

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Werbebanner ISIN-WatchlistIn dieser nunmehr deutlich erhöhten, künftigen Ergebnis-Intransparenz (die wir im BASF-Geschäftsprofil dabei auch für weit ausgeprägter halten, als z.B. gemäß unserer jüngsten Analyse zu Mercedes-Benz) halten wir selbst eingangs genannte, optisch vermeintlich noch so attraktive Bewertungskennziffern der Aktie daher momentan nur für sehr eingeschränkt aussagekräftig und künftig für erhöht korrekturgefährdet, weshalb uns auch ein erneuter Rücksetzer der Aktie in die jüngste Horizontal-Unterstützungszone von ca. 46 – 47 EUR weiterhin jederzeit denkbar erscheint.

Unsere zuletzt am 01.03. abgegebene VERKAUFS-Empfehlung für die BASF-Aktie (aktueller Kurs: 53,60 EUR) behalten wir daher zunächst völlig unverändert bei.

 

Chart: BASF

 

BASF auf TradingView

 

13.03.2022 - Matthias Reiner

Unterschrift - Matthias Reiner

 

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