BYD senkt die Preise für seine Autos in China dramatisch und die Anleger reagieren besorgt
Der Preiskampf in China nagt auch bei BYD an den Margen
5,5 Millionen Fahrzeuge will BYD im laufenden Jahr an die Frau oder den Mann bringen und damit die Auslieferungszahlen aus dem Vorjahr noch einmal um 30 Prozent überbieten. Der Konzern scheint auch auf einem guten Weg zu sein. Insbesondere auf dem chinesischen Heimatmarkt dominiert man mittlerweile und lässt die Konkurrenz hinter sich. Das scheint aber einen hohen Preis zu haben.
Es ist etwas in den Hintergrund getreten, doch der Preiskampf in China im Autosegment ist noch lange nicht an seinem Ende angekommen. Schon seit gut zwei Jahren bewegen die Preise sich immer weiter nach unten. Nicht wenige Modelle werden schon heute mit Verlust verkauft. BYD (CNE100000296) gehört schon fast zur Ausnahme damit, mit seinen Autoverkäufen noch Geld zu verdienen. Die Margen scheinen sich hier aber auch nicht weiter in die Höhe zu bewegen.
Geschockt zeigten sich die Anleger am Montag von einer ganzen Reihe von Rabatten, die BYD unter anderem auf seiner Präsenz bei Weibo ankündigte. Insgesamt 22 Modelle erhalten mit sofortiger Wirkung Preisnachlässe, die sich auf zehn bis 30 Prozent belaufen. Selbst bei BYD lässt sich daran zweifeln, ob das Unternehmen damit noch nennenswert Geld verdient.
BYD verramscht den Seagull
Diese Frage stellt sich etwa beim günstigen Einstiegsmodell in Form des Seagull, dessen Preis um rund 20 Prozent auf umgerechnet 6.800 Euro reduziert wurde. Sogar die Basisversion des autonomen Fahrens namens „God’s Eye“ ist in diesem Preis bereits enthalten. Zwar sind die Rabatte zunächst bis Ende Juni befristet. Dennoch geht an der Börse die Angst um, dass BYD gerade die nächste Runde in einem zuvor schon ruinösen Preiskampf eingeläutet haben könnte.
Das scheint jedoch auch notwendig zu sein, denn chinesische Verbraucher halten sich noch immer sichtlich zurück und die konjunkturelle Schwäche in der Volksrepublik zieht immer weitere Kreise. BYD scheint es schwerzufallen, die immer größere Produktion in den Handel zu bringen. Laut einem Bericht der „FAZ“ mit Verweis auf den Deutsche-Bank-Analysten Wang Bin haben die Bestände bei den Händlern in den letzten Wochen stark zugenommen und mutmaßlich ihr Limit erreicht. Mit den nun angekündigten Rabatten scheint man wieder für etwas Platz sorgen zu wollen.
Impliziert wird durch solche Meldungen, dass BYD weiteres Wachstum mehr oder minder nur durch noch niedrigere Preise erzielen könnte, was den Aufwand aber kaum wert sein dürfte. Im frühen Handel am Montag reagierte die BYD-Aktie mit Kursverlusten von rund zehn Prozent. Auch die Papiere anderer chinesischer Autobauer gaben heftig nach. Zu Handelsschluss standen hierzulande noch 49,35 Euro auf dem Ticker und die Verluste konnten auf 5,8 Prozent begrenzt werden. Das Unterschreiten der 50-Euro-Linie auf Schlusskursbasis ist aber ein klares Warnsignal.
Blick nach Europa
Wahrscheinlich ist sich BYD der Preisprobleme auf dem Heimatmarkt schon seit Längerem sehr bewusst und vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass der Konzern die Expansion nach Europa derart zu forcieren versucht. Die Absatzzahlen auf dem hiesigen Kontinent konnte der Konzern im April merklich steigern. Das ist erfreulich, da die Preise zum Teil dreimal so hoch ausfallen wie in China. Allerdings bleiben die Verkaufszahlen verglichen mit jenen auf dem Heimatmarkt nur ein laues Lüftchen.
Es herrscht für den Moment etwas Katerstimmung unter den Aktionären, prinzipiell ist die Ausgangslage für BYD aber nicht schlecht. Denn der Konzern ist dank der Inhouse-Fertigung wichtiger Bauteile wie Akkus für Elektroautos wohl so gut wie kaum ein anderer für Preiskämpfe und Konsolidierungen gerüstet. Sobald der Sturm sich legt, könnte der Konzern als strahlender Sieger dastehen. An der Börse dürften die kurzfristigen Gewinne jedoch beim Aktienkurs den Ton angeben.
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27.05.2025 - Andreas Opitz

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