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BÖRSE TO GO - Lufthansa, SAP und Siemens

SAP Warnung belastet Frankfurt

 

Im vorbörslichen Handel ist heute früh nichts zu retten. Die umfassende Warnung von SAP überlagert in der europäischen Vorbörse alle anderen Themen. Der DAX-Future wird zum Start deutlich tiefer unter 12.450 Punkten gesehen und damit mehr als -1,45 % unter dem Schlusskurs. 

Der deutsche Aktienmarkt hatte die vergangene Woche noch mit einem leicht positiven Akzent beendet. Es war insgesamt aber eine durchwachsene Woche. Der DAX konnte den Freitag zwar mit einem Plus von 0,82 % auf 12.645,75 Punkte beenden, aber in der Wochenbilanz blieb dennoch ein Minus von -1,63 % stehen. Die größten Verlierer waren die Aktien von Delivery Hero (-8,71 %) und der Deutschen Börse (-6,47 %). 

 

DAX

 

Für die Wall Street war es dagegen eine völlig normale Woche. Die Quartalsberichte waren nicht überragend, aber gut genug, um leichte Kursgewinne zu rechtfertigen. Der S&P 500 Index beendete nicht nur den Freitag 0,34 % höher bei 3.465,39 Punkten, sondern wies auch eine positive Wochenbilanz von +1,12 % aus. Analog dazu der Nasdaq Composite, der Freitag 0,37 % höher schloss und für die Woche ein kleines Plus von 0,60 % erreichte. 

Ganz im Gegensatz dazu das Bild heute früh. Zum Ende des asiatischen Handels liegen alle US-Futures deutlich im Minus. Nicht so ausgeprägt wie beim DAX-Future, aber die Warnung von SAP wird an der Wall Street nicht ungehört verhallen. So notiert der S&P 500 Future vorbörslich mehr als -0,65 % niedriger bei weniger als 3.430 Punkten und der Nasdaq-Future wird knapp -0,50 % tiefer gesehen bei weniger als 11.610 Punkten. 

 

Die Börsen in Hongkong, Neuseeland und Österreich sind heute aufgrund von Feiertagen geschlossen. 

 

Lufthansa geht in „Wintermodus“

 

Die Lufthansa fährt die Kosten noch weiter herunter. Ausgelöst durch die stark steigende Zahl der Corona-Infektionen in Europa verschärfte die Lufthansa am Wochenende ihre interne Planung und konzentriert sich noch stärker auf Kostensenkungen. Der sogenannte „Wintermodus“ sieht vor, dass große Teile der Verwaltung vorübergehend geschlossen werden. Dazu sollen die nicht benötigten Bereiche im Lufthansa Aviation Center zählen und alle Büros der Eurowings in Düsseldorf. Die Flotte soll noch stärker ausgedünnt werden als bisher angekündigt.

Am stärksten wird es das Flugkreuz München treffen. Da es derzeit nicht mehr genügend Passagiere für einen Langstreckenbetrieb von zwei Hubs aus gibt, wird die Lufthansa ihre Planung auf Frankfurt konzentrieren, um möglichst hohe Deckungsbeiträge zu erzielen. Das Bundesland Bayern wird dagegen ohne Zweifel protestieren und man wird dann zu beobachten haben, wie stark der politische Einfluss inzwischen auf die Lufthansa ist. Wird der Vorstand die Fokussierung auf Frankfurt zurückziehen auf Druck der Politik oder geht man den betriebswirtschaftlich richtigen Weg? Vorbörslich steht die Lufthansa-Aktie bei 8,00 Euro. 

 

Wichtige Quartalsberichte am Montag: Canon, F5 Networks, Hasbro und SAP

 

SAP: Umfassende Warnung

 

Das will man am Sonntagabend nicht lesen. Das Geschäft bei SAP läuft deutlich schlechter als erwartet und zwingt den Softwarekonzern zu einer Umsatz- und Gewinnwarnung. Die Warnung ist so gravierend, dass sie am Wochenende ausgegeben wurde, um nicht zu einem unkontrollierten Sell-off im laufenden Handel zu führen. Konkret reduzierte SAP zum einen die niedrige Prognose vom 08. April 2020 in allen genannten Bereichen. Am stärksten erwischt es die Clouderlöse, die im Gesamtjahr nur noch auf eine Spanne von 8,0 bis 8,2 Mrd. Euro kommen sollen, während bisher das Ziel bei mindestens 8,3 bis 8,7 Mrd. Euro lag. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) soll daher nur noch ein Niveau von 8,1 bis 8,5 Mrd. Euro erreichen (Prognose April: 8,1 bis 8,7 Mrd. Euro).

Der echte Zündstoff liegt jedoch in der zweiten Warnung. Denn SAP begrenzte die Warnung nicht nur auf das laufende Geschäftsjahr, sondern zog die gesamte langfristige Prognose bis 2025 nach unten. Der Vorstand kündigte den Aktionären an, dass sie in den nächsten zwei Jahren mit einem stagnierenden oder fallenden Betriebsergebnis rechnen müssen. Erst ab 2023 sei wieder mit Wachstum beim Ergebnis zu rechnen. Die Aktien von SAP werden vorbörslich (L&S) bei 114,25 Euro gehandelt. 

 

Folgende wichtige Aktien werden heute Ex-Dividende gehandelt: Celanese und Fastenal

 

Siemens stößt Flender ab

 

Aus dem Börsengang wird nichts mehr. Der Siemens-Konzern hatte im Frühjahr avisiert, dass man die Getriebetochter Flender ausgliedern und an der Börse notieren will. Flender stellt Getriebe für Windkraftanlagen her, ist immer margenschwach gewesen und passt nach der Ausgliederung von Siemens Energy nicht mehr ins Portfolio des Konzerns.

Das Interesse an Flender ist jedoch gering. Der Vorstand entschied sich daher gegen einen Börsengang und bot die Gesellschaft privat an. Der bekannte amerikanische Finanzinvestor Carlyle soll den Zuschlag zum Einfachen des Umsatzes erhalten. Flender erlöste zuletzt 2 Mrd. Euro. 

 

Tagestermine

 

Der wichtigste Termin des Tages ist heute Vormittag um 10:00 Uhr. Das ifo-Institut wird den aktuellen Geschäftsklimaindex für den Monat Oktober veröffentlichen. Der Index wird aus einer regelmäßigen Umfrage unter mehr als 7.000 Unternehmen erstellt, die ihre aktuelle Lage und ihre Erwartungen abgeben. Die Prognosen der Analysten gehen von einem leichten Rückgang des Index von 93,4 auf 93,0 Punkte aus. Dabei soll sich der Index der aktuellen Lageeinschätzung von 89,2 auf 89,8 Punkte leicht verbessert haben. Die Erwartungen hingegen sollen von 97,7 auf 96,5 Punkte gesunken sein. 

Am Nachmittag erhalten wir noch kurz nach Eröffnung der Wall Street um 15:00 Uhr die neuesten Immobilienkennzahlen aus den USA. Veröffentlicht wird die Zahl der verkauften Neubauten im September. Erwartet wird eine Zahl von 1,025 Mio. Häusern, was leicht über dem Vormonat liegen würde (August: 1,011 Mio. Neubauten).

 

26.10.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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