An den Märkten wird eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit mittlerweile fest eingeplant, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen
Die Aktionäre der Commerzbank scheinen sich schon mal in Stellung zu begeben
Seit über einem Jahr schon wehrt sich die Commerzbank nach Kräften gegen die Übernahmeavancen der UniCredit. Die Erfolgsaussichten scheinen aber immer geringer zu sein. Das italienische Geldhaus konnte den eigenen Anteil bereits auf mehr als 30 Prozent steigern und das laufende freiwillige Angebot scheint auf viel Gegenliebe zu stoßen. Noch will die Commerzbank sich aber nicht geschlagen geben.
Das hohe Interesse am Tauschangebot, welches für je eine Aktie der Commerzbank (DE000CBK1001) 0,485 neue UniCredit-Aktien vorsieht, sorgt in Frankfurt für Skepsis. Denn eigentlich liegt das Ganze rechnerisch ein gutes Stück unter den jüngsten Schlusskursen. Für Anleger gibt es daher eigentlich keinen nachvollziehbaren Grund, sich auf das Angebot einzulassen. Dennoch konnte UniCredit bereits 7,58 Prozent der Anteile angedient bekommen. Wie die „Tagesschau“ berichtet, schaltet die Commerzbank deshalb nun die Finanzaufsicht ein.
Letztere soll der Frage nachgehen, wo die frischen Anteile eigentlich herkommen mögen. Die Commerzbank hat da bereits eine Vermutung. Es könnte sich um Aktien von verbündeten Investmentbanken handeln, die in Zukunft über Derivate von einer Übernahme profitieren könnten. UniCredit entgeht mit dem freiwilligen Angebot dabei einem Pflichtangebot, welches vermutlich deutlich höher hätte ausfallen müssen.
Die Commerzbank-Aktie klettert weiter
Es bleibt weiterhin offen, ob UniCredit sich letztlich durchsetzen können wird. Allerdings hat das Unternehmen schon jetzt derart viel Einfluss, dass die Commerzbank wohl höchstens noch auf Zeit spielen kann. Genau davon wird auch an der Börse ausgegangen, was für die Aktie nichts Schlechtes bedeutet. Jene legte in einem schwachen Handel am Donnerstag weiter bis auf 36,67 Euro zu. Im Jahresvergleich ging es um mehr als 30 Prozent aufwärts.
Vermutet wird seitens der Bullen, dass UniCredit sein Angebot früher oder später noch einmal nachjustieren wird. Denn mit dem vorliegenden freiwilligen Übernahmeangebot wird die Schwelle von 50 Prozent nicht zu erreichen sein. Je weiter der Kurs vor einem hypothetischen weiteren Angebot in die Höhe getrieben wird, desto mehr werden die Italiener bieten müssen, um ihre geplante Übernahme endlich unter Dach und Fach bringen zu können.
Die Ansichten darüber gehen weiterhin auseinander. UniCredit wirbt für sein Vorhaben damit, einen europäischen Champion erschaffen zu wollen. Ein solcher sei auch nötig, da europäische Banken es derzeit mit Konkurrenz aus den USA nicht aufnehmen könnten. Die Commerzbank hingegen verspricht sich von der Eigenständigkeit größere Wachstumschancen und warnt vor enormen Verlusten von Arbeitsplätzen. Zwar wurde auch selbst bereits der Rotstift beim Personal eingesetzt. Im Falle einer Übernahme könnte es aber zu einem regelrechten Kahlschlag kommen, so die Warnungen aus Frankfurt.
Es ist noch nicht vorbei
Schritt für Schritt hat UniCredit seine Anteile an der Commerzbank ausgebaut, und das mit einem beeindruckenden Erfolg. Momentan spricht alles dafür, dass die Italiener sich letztlich durchsetzen können. Der Ausgang der Übernahmeschlacht bleibt aber dennoch offen. Denn auch die Aufsichtsbehörden werden ein Wörtchen mitreden wollen. Das gilt nicht nur mit Blick auf die nun anstehende Untersuchung der BaFin.
Die Anlegerinnen und Anleger sind schon jetzt die großen Gewinner des Ganzen. Denn egal, ob UniCredit siegreich sein wird oder nicht: der Kurs der Commerzbank-Aktie ist bereits in angenehme Höhen gestiegen. Um dies anzukurbeln, setzte das Unternehmen üppige Ausschüttungen an die Anteilseigner um und arbeitete damit aktiv an einer Erhöhung des eigenen Aktienkurses. Dass UniCredit dieses Niveau mit einem weiteren Angebot noch einmal übertreffen wird, ist als sehr wahrscheinlich anzusehen. Daher gibt es auch tatsächlich keinen Grund, schon jetzt den Rückzug anzutreten.
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05.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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