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Covestro: Gelegenheit zum Neueinstieg

Beginnende Geschäftserholung seit Juni

 

Überraschend hat der weltführende Kunststoffhersteller für industrielle Anwendungen, COVESTRO (DE0006062144) heute vorab einige Eckdaten seines offiziell erst am 23.07. zur Publikation anstehenden, vollständigen Ergebnisses zum 2. Quartal bekanntgegeben. 

Diese fielen überwiegend weniger schwach aus, als im Zuge der tiefgreifenden industriellen Corona-Krise zunächst erwartet. Der Aktienmarkt quittierte diese erfreuliche Nachricht daher auch folgerichtig mit einem Kursaufschlag von bis zu 5,4 % auf einen heutigen Spitzenwert von 36,27 Euro. 

Auch wenn die Aktie seither aktuell wieder auf rd. 35 Euro zurückgefallen ist, so signalisiert sowohl die heutige fundamentale Nachricht, wie auch der damit erneut bestätigte charttechnische Ausbruch der Aktie aus ihrem sogar bereits mehr als 2,5jährigen Abwärtstrend seit März 2018, dass nun auf einem mittlerweile überschaubaren Bewertungsniveau per Ende 2022 für risikobereite Anleger nun tatsächlich wieder die Zeit für einen generellen Einstieg in die Aktie von COVESTRO gekommen sein könnte. 

 

Chart:  COVESTRO gegen DAX – Kursindex (jeweils exkl. Dividenden) 

 

Chart: Covestro gegen Kurs-DAX

 

Vorläufige Zahlen 2. Quartal und Ausblick Gesamtjahr 2020 

 

Überraschend gab COVESTRO heute einige Eckdaten zu ihrem Ergebnis des 2. Quartals bekannt, die insbesondere auf der Gewinnebene weniger schwach ausgefallen sind, als im Zuge der gerade im Industriesektor ungebrochen starken Corona-Krise zunächst befürchtet worden war. 

Zwar ermäßigte sich im 2. Quartal der Konzernumsatz, stärker als von den Analysten im Konsens geschätzt (= 2,22 Mrd. EUR), gegenüber Vorjahr um - 33 % sowie gegenüber dem Vorquartal um - 22 % auf nur noch 2,16 Mrd. EUR. Dieser Umsatzrückgang setzte sich dabei ggü. Vorjahr zu - 22 % aus dem Effekt eines Rückgangs der Absatzmengen, zu weiteren - 11 % aus einem Preisdruck der abgesetzten Produkte zusammen. 

Der über die Umsatzseite bewirkte Druck auf die Ergebnismargen fiel jedoch weniger scharf aus, als dies befürchtet worden war, so dass der operative Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) “nur” um knapp - 73 % auf 124 Mio. Euro einbrach. Gemäß den Konsensschätzungen der Analysten war jedoch sogar lediglich von einer EBITDA-Erzielung in Höhe von 80 Mio. Euro ausgegangen worden. 

Auch auf der Ebene des Konzernnettogewinns konnten die Analystenschätzungen übertroffen werden. Zwar verwandelte sich der Quartalsnettogewinn des Vorjahres von + 189 Mio. EUR nun in einen Nettoverlust von - 60 Mio. EUR, jedoch hatten die Analysten im Konsens den Nettoverlust des 2. Quartals zuvor sogar auf - 107 Mio. EUR taxiert. 

Ein wesentlicher Beitrag zu dem weniger dramatischen Ergebniseinbruch als zunächst befürchtet ist dabei davon ausgegangen, dass seit Anfang Juni die gesamte Umsatzlage nach Konzernangaben eine deutlich einsetzende Erholung verzeichnet habe, und auch der eingeleitete Spar- und Investitionskürzungskurs konsequent forciert worden sei. Die Umsatzerholung schreiben wir dabei angesichts entsprechender Lockdown-Aufhebungen insbesondere dem Asien-Geschäft von Covestro zu, auf das per Ende 2019 insgesamt rd. 32 % des Konzernumsatzes entfielen (davon 20 % in China). Dagegen dürfte es in den USA und Europa bei Covestro im gesamten 2. Quartal nach unseren Erwartungen zu einem unvermindert anhaltenden Umsatzeinbruch gekommen sein. 

Von der Produktseite her dürften wesentliche Umsatzimpulse nach Expertenangaben vor allem von der Sparte der Polycarbonate (Konzernumsatzbeitrag Ende 2019 28 %) ausgegangen sein, also von Hartkunststoffen, die vor allem in der Automobil-, Bau- und Medizintechnik-Branche Anwendung finden. In den zwei anderen verbleibenden Sparten von Covestro, sowohl dem Hart- und Weichschaum-Polyurethanen (Konzernumsatz-Beitrag 47 %, besonders für Auto- und Möbelpolsterungen sowie Baudämmstoffe) wie auch Speziallacken und –klebstoffen (Sparte CAS mit einem Konzernumsatzbeitrag von 19 %) dürfte es dagegen auch im 2. Quartal zu einem ungebrochenen Umsatzrückgang gekommen sein.                                                      

Für das Gesamtjahr 2020 erwartet die Konzernleitung nach einer Prognoseabsenkung im April bislang die Erzielung eines operativen EBITDA-Gewinns von nur noch 0,7 – 1,2 Mrd. Euro (ursprüngliche Prognose: 1,5 Mrd. Euro), jedoch dürften diese Prognosen im Rahmen der Vorlage der offiziellen Halbjahres-Zahlen am 23.07. nun weiter konkretisiert bzw. aktualisiert werden. 

 

Aktienbewertung und Anlageurteil 

 

Trotz vermutlich fortschreitender Geschäftserholung von Covestro im 2. Halbjahr, wobei sich auch die Regionen USA und Europa zunehmend dem Stabilisierungstrend des Asien-Geschäfts anschließen dürften, rechnen wir im Einklang mit dem herrschenden Analystenkonsens derzeit nicht damit, dass sich für Covestro der Ausweis eines (wenn auch nur leichten) Konzern-Nettoverlusts im Gesamtjahr 2020 vermeiden lassen wird. 

Von Anfang 2021 bis Ende 2022 sollte jedoch Covestro im Falle einer zumindest weitgehenden Normalisierung der Weltkonjunktur wieder eine sehr dynamische Rückkehr in die Gewinnzone gelingen, in deren Verlauf die Analysten derzeit im Konsens die Wiedererreichung eines moderaten, positiven Aktien-KGVs (2022e) von nur rd. 15 erwarten.  

Nach angekündigter Halbierung der Dividendenausschüttung für 2019 wird im Konsens derzeit bis Ende 2022 wieder die Erzielung einer Dividendenrendite von rd. 4,8 % prognostiziert, was aus unserer Sicht trotz der damit um ca. 1 % unter den historischen Höchstständen liegenden Dividendenrendite ebenso positiv zu werten wäre. 

Vor dem Hintergrund des jetzt möglichen Durchschreitens des konjunkturellen Geschäftstiefs von Covestro, günstiger Aktienbewertungskennziffern auf Basis der Schätzungen für 2022 wie auch dem jetzt bestätigten Ausbruch aus dem primären Chart-Abwärtstrend seit März 2018 empfehlen wir den Titel daher nun, allerdings ausschließlich nur risikofreudigen Anlegern, zum Kauf.                                           

 

09.07.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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