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Too big to fail? - Hoffnung bei TUI, Lufthansa und Delta Airlines

Ist die staatliche Rettung der Lufthansa und der TUI gerechtfertigt? Die USA geben die Antwort.

 

Die Diskussionen in Deutschland um die Zukunft der Airlines und Reisekonzerne wird komplett falsch geführt. Wer vergangenes Jahr auf dem Tiefpunkt der Covid-19-Krise dachte, dass eine Lufthansa oder TUI in Konkurs gehen wird, übersah die strategische Bedeutung dieser Unternehmen für die deutsche Wirtschaft und auch für die Politik. Der Begriff „too-big-to-fail“ mag für diesen Branchen zu weit hergeholt sein, stimmt aber für die beiden Unternehmen. 

Der Lackmus-Test ergab damals schnell die richtige Antwort. Konnte Berlin es sich erlauben, die Lufthansa und TUI in Konkurs gehen zu lassen? Definitiv nicht. Beide sind nicht nur integraler Teil ihrer Branchen in Deutschland, sondern weit über den deutschsprachigen Raum hinaus in ganz Europa von hoher Bedeutung. Aufgrund der schieren Grösse dieser Gesellschaften hätte ein Konkurs nicht von der Konkurrenz aufgefangen werden können, da diese ebenfalls unter den gleichen Problemen litten. Hätte Berlin nicht eingegriffen, wäre eine Kaskade von Konkursen losgetreten worden, deren Verluste für die Wirtschaft weit über den potenziellen Kosten der Rettung der beiden Gesellschaften gelegen hätten. 

Analog dazu haben das im Übrigen auch die anderen Länder gemacht. Washington hat 2020 erwartungsgemäss sofort einen Rettungsschirm für die wichtigsten amerikanischen Airlines und Boeing aufgespannt. Man zeigte hier das gleiche Verhalten wie nach „Lehman“ und lag damit auch ein weiteres Mal richtig, denn die Airlines und auch Boeing erholen sich wieder. 

 

Delta Air Lines ist ein Paradebeispiel

 

Das 4. Quartal war hart für Delta, aber bei Weitem nicht so hart wie die ersten drei Quartale. Enttäuschend ist, dass die Passagierzahlen noch einmal gefallen sind. Mit 2,7 Millionen beförderten Passagieren blieb Delta -74 % unter dem Vorjahresniveau. Man verschlechterte sich damit noch einmal zu den Vorquartalen. So liegt der Durchschnitt für das Gesamtjahr bei -70 %, was die schwierige Phase des Lockdowns im Frühling mit einschliesst. Dass Delta im 4. Quartal noch einmal den Jahresdurchschnitt absenkte, lag am Erntedankfest und dem Weihnachtsfest. Beide sind ausgesprochen wichtige Events im 4. Quartal für die amerikanischen Fluggesellschaften, da das Passagieraufkommen zu den Festen typischerweise sprunghaft ansteigt. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr verzichten jedoch letztes Jahr viele auf Flugreisen zu ihren Familien.

Die gute Nachricht ist, dass das geringere Passagieraufkommen einen wesentlich geringeren Einfluss auf das Ergebnis hatte. Während im Gesamtjahr das Passagieraufkommen bei Delta um 70 % gefallen ist, konnte die Gesellschaft den operativen Aufwand nur um -27 % senken. Entsprechend hoch fällt auch der Jahresverlust nach Steuern mit -12,39 Mrd. US-Dollar bzw. -19,49 US-Dollar / Aktie aus. 

 

Delta Air Lines Inc.

 

Das 4. Quartal trug dazu jedoch nur einen Verlust von -1,19 US-Dollar / Aktie bei. Was im Wesentlichen an der starken Reduzierung des operativen Aufwands um -52 % lag. Delta transportierte also im 4. Quartal noch weniger Passagiere als im Jahresdurchschnitt, schaffte es aber, die Kosten dafür noch einmal deutlich zu drücken. Oder anders ausgedrückt: Die harten Einschnitte der vergangenen Quartale sorgen dafür, dass sich Delta immer stärker auf niedrigem Niveau stabilisiert. 

Exakt das ist es, was die Börse derzeit honoriert. Je besser das Management den Einbruch im Flugverkehr operativ in den Griff bekommt, desto stärker steigen die Aktien, da gleichzeitig auch die Impfung der Bevölkerung weiter voranschreitet und damit eine Normalisierung des Flugverkehrs in Reichweite kommt. 

 

Washington wird die Airlines weiter stützen

 

Die Wall Street setzt selbstverständlich auch auf eine Fortsetzung der politischen Unterstützung. Die Rettung der Airlines stand 2020 ganz oben auf der Agenda in Washington. Kaum eine Branche hat derart viel finanzielle Unterstützung bekommen und daran wird sich auch unter der Administration Biden nichts ändern. Ganz im Gegenteil: 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDas Momentum in der US-Wirtschaft beginnt zu kippen und Biden wird ein billionenschweres Konjunkturpaket vom Kongress fordern. Es wird anders strukturiert sein als im 2. Quartal 2020, als die Trump-Administration vor allem die Liquidität der US-Unternehmen sicherstellte und Arbeitsplätze mit Finanzhilfen rettete. Biden wird stark darauf achten, dass dem Unterbau der Gesellschaft geholfen wird, sprich der Unter- und Mittelschicht sowie den kleinen und mittleren Unternehmen. Auch der Bereich Infrastruktur, der von der Trump-Administration sträflich vernachlässigt wurde, wird unter der Biden-Administration wesentlich stärker gefördert werden, denn eine gute Infrastruktur stellt sicher, dass die Wirtschaft gut geschmiert laufen kann. Dazu gehört auch der Ausbau des Flugverkehrs und natürlich die Sicherstellung, dass die wichtigsten Fluggesellschaften nicht wegen kurzfristiger Konjunkturprobleme kaputt gehen und damit das Potenzial der Konjunktur künstlich limitieren. 

Eine konkrete Empfehlung zu dieser Analyse ist den Lesern des Zürcher Finanzbriefes vorbehalten. Den Zürcher Finanzbrief und die zugehörigen Empfehlungen können Sie im Rahmen eines kostenlosen Probe-Abonnements ausgiebig testen.

 

15.01.2021 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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