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EVOTEC: Stop Loss-Setzung bei 19,93 Euro

Sehr ambitionierte Aktienbewertung

In den letzten Tagen ist die Aktie von EVOTEC (DE0005664809) von einer aktuellen klaren charttechnischen Widerstandsbildung bei 26,00 Euro wieder stark abgetaucht und verliert auch im heutigen Handel bislang in der Spitze weitere  - 8,0 % auf nur noch 21,41 Euro.

Und dies sogar, obwohl noch am 22.07. die Bekanntgabe eines „neuen“ (?) Forschungsauftrags des US-Verteidigungsministeriums zur Entwicklung monoklonaler Antikörper gegen das SARS-Cov-2 (= COVID 19) - Corona Virus von bis zu 18,2 Mio. USD die Aktie zunächst um über 5 % nach oben gehievt hatte.

Nur:

Wie wir auch bereits am 25.05. im Rahmen unserer Analyse „Evotec: Projekte versus Profitabilität“ berichtet hatten, publizierte Evotec bereits am 30.04. die inhaltlich weitgehend deckungsgleiche Meldung eines entsprechenden Forschungsauftrags des Pentagon-Ministeriums, nur mit dem Unterschied, dass damals noch auf eine entsprechende Forschungskooperation zusammen mit der Ology Bioservices Inc. / Seattle verwiesen wurde (deren Partnerschaft ja auch mit Sicherheit weiterhin existiert, so dass Evotec dieses Pentagon-Projekt wohl kaum in völliger Eigenregie betreibt) und außerdem die betragsmäßige Dimension des Pentagon-Auftrags damals zunächst noch völlig offen gelassen wurde.

Wir sind uns jedoch einigermaßen sicher, dass das Pentagon derartige Aufträge nicht zweifach an Evotec vergibt und mutmaßen daher sehr stark, dass die jetzige Meldung von Evotec vom 22.07. in direktem Zusammenhang zur zurückliegenden Meldung vom 30.04. zu sehen ist.

Wenn dem so wäre, hätten wir es jedoch a) für korrekt gehalten, auch in der jetzigen Meldung explizit auf die bestehende Partnerschaftskooperation mit Ology Bioservices Inc. in diesem Projekt hinzuweisen, oder b) alternativ - wenn beide Meldungen tatsächlich sachlich nichts miteinander zu tun haben sollten - explizit darauf hinzuweisen, dass beide Meldungen vom 22.07. und 30.04. in keinerlei direktem Zusammenhang zueinander stehen, sondern es sich bei diesen Aufträgen um 2 völlig voneinander separierte Projekte handelt.

Beides hat EVOTEC kommunikativ jedoch in keiner Weise detaillierter klargestellt, so dass uns die daraufhin anschließend möglicherweise eingekehrte Haltung vieler (besser informierter) Anleger/Unternehmens-Insider, diese Meldung vom 22.07. im Nachhinein nun doch nahezu als „Non Event“ zu betrachten, schon durchaus plausibel erscheint. Dazu ist nämlich auch noch zu ergänzen, dass unter relativ interpretationsbedürftigen Volumens-Angaben wie nun „bis zu 18,2 Mio. USD“ Evotec gemäß ihrer Kommunikationspolitik üblicherweise die maximal erzielbaren Meilensteinzahlungen zugunsten des Konzerns versteht, über deren tatsächliche, spätere finale Realisierung jedoch zunächst kaum etwas ausgesagt werden kann.

Angesichts der hohen Interpretationsbedürftigkeit, wie finanziell substanziell die zurückliegenden beiden Meldungen zum Pentagon-Auftrag einzuschätzen sind, wenden wir uns lieber den aktuellen Fakten zu und knüpfen hierbei direkt nochmals an unsere Analyse vom 25.05. „Evotec: Projekte versus Profitabilität“ an, dass entgegen aller noch so perspektivisch aussichtsreich erscheinenden Kooperations- und Partnerschaftsabschlüsse bzw. entsprechender Meldungen Evotec bereits seit Quartalen im Unterschied zu vielen anderen Biotech- und Pharmakonkurrenten kaum mehr Entwicklungen speziell auf der Gewinnseite (operativer EBITDA- / EBIT- sowie Nettogewinn) publiziert hat, die das aktuelle Konsens-KGV (2020e) der Analysten von derzeit 86 (!!) auch nur noch halbwegs angemessen widerspiegeln.

Die offiziellen Publikationen allein schon der operativen EBIT-Gewinnzahlen seit 3 Quartalen sprechen hier eine deutliche Sprache (Q3 / 2019: - 40,7 %; Q4 / 2019: - 10,0 %; Q1 / 2020: - 15,7 % gegenüber den jeweiligen Vorjahresergebnissen). Folglich ist auch hierin aktuell in unseren Augen das eigentliche Problem zu sehen, warum jenseits aller jüngsten Projektmitteilungen die Evotec-Aktie in Relation der Gewinnausweise zu den jeweiligen Aktienbewertungen bereits spätestens seit August 2018 letztlich völlig auf der Stelle tritt – und dies gemäß unserer analytischen Anschauung auch völlig zu Recht !

Wir sehen der Vorlage der Zahlen zum 2. Quartal 2020 am 12.08. daher mit großer Spannung entgegen und versehen diese Aktienposition in unserem Themendepot ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN nunmehr prophylaktisch mit einem relativ engen Stop Loss bei 19,93 Euro. Von einem Kauf der Aktie raten wir derzeit aus Bewertungsgründen ab.

 

Aktienchart: EVOTEC

 

Chart: Evotec

 

30.07.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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