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Die Luft für Gazprom dürfte in Zukunft immer dünner werden und an der Börse dürfte der Konzern wenig zu lachen haben

Aufs falsche Pferd gesetzt?

NTG24 - Die Luft für Gazprom dürfte in Zukunft immer dünner werden und an der Börse dürfte der Konzern wenig zu lachen haben

 

Noch immer gehen die Meinungen rund um Gazprom schwer auseinander. Erst kürzlich sprach sich die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht dafür aus, Handelsbeziehungen zu dem russischen Staatskonzern wieder aufzunehmen und die Pipeline Nord Stream 2 zu öffnen. Dass Gazprom aufgrund es Ukraine-Kriegs und der westlichen Sanktionen wirklich als Verlierer dasteht, darüber herrscht längst keine Einigkeit.

Zumindest bisher geht es dem Unternehmen weiterhin blendend. Aufgrund der drastisch gestiegenen Gaspreise werden Quartal für Quartal Rekordgewinne bei Gazprom (US3682872078) eingefahren. Daraus zu schließen, dass bei dem russischen Versorger alles in Ordnung sei, ist aber etwas zu kurz gedacht.

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Werbebanner WikifolioAuf lange Sicht befindet das Unternehmen sich klar auf dem absteigenden Ast, und das dürfte sich schon sehr bald auch bei den Zahlen zeigen. Der faktische Stopp von Gaslieferungen durch Nord Stream 1 wird sich auch bei Gazprom bemerkbar machen. Das ist aber für den Moment tatsächlich nur das geringste Problem aus Anlegersicht. Viel schwerer wiegt, dass Russland es sich wohl endgültig mit seinen größten und wichtigsten Kunden verscherzt hat.

Europa wird in Zukunft nicht mehr auf Gas von Gazprom setzen, mit Ausnahme vielleicht von Ungarn. In Russland hört man immer wieder Märchen darüber, dass die Ausfälle schlicht durch mehr Verkäufe in Asien kompensiert werden könnten. Zweifelsohne wird Gazprom dort in Zukunft auch mehr Erdgas absetzen. Damit werden die Verluste durch wegfallende Geschäfte in Europa aber nie und nimmer ausgeglichen werden können.

 

Es wird eng für Gazprom

 

Zum einen fehlt es an den notwendigen Pipelines nach China, Indien und in andere Länder, um Gas in vergleichbaren Mengen wie in den letzten Jahren nach Europa zu exportieren. Zum anderen werden Länder in Asien nicht annähernd die gleichen Preise zahlen wie hierzulande. Einfach ausgedrückt befindet sich Gazprom damit klar auf Schrumpfkurs und die jüngsten Gewinnrekorde dürften für sehr lange Zeit nicht mehr erreicht werden.

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Noch dazu scheinen die Gaspreise derzeit wieder im Korrekturmodus zu sein. Seit Ende August ging es mit den Preisen um rund 45 Prozent in die Tiefe, nachdem die Lage sich nach dem Aus der Gaslieferungen über Nord Stream 1 wieder etwas beruhigt hat. Das ist letztlich nur ein weiteres Indiz dafür, dass die Gazprom-Aktie auf dem absteigenden Ast ist. Das ist auch den Anlegern nicht entgangen und trotz aller Maßnahmen Russlands, die eigenen Börsen stabil zu halten, ging es dort auf Jahressicht für die Gazprom-Aktie um 26,6 Prozent in die Tiefe.

 

Nichts zu holen

 

Es ist derzeit davon auszugehen, dass die jüngsten Talfahrten bei Gazprom erst der Beginn von etwas viel Größerem sein dürften. Es gibt derzeit nur wenige Szenarien, in denen der Titel eine plötzliche Erholungsrallye auf die Beine stellen wird. Sehr viel wahrscheinlicher ist ein Schrumpfkurs, welcher das Unternehmen möglicherweise um Jahrzehnte zurückwerfen könnte. Wie weit genau es mit Gazprom noch in die Tiefe gehen könnte, ist aber offen und selbst Ökonomen sind sich darüber nicht ganz einig.

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Werbebanner ISIN-WatchlistFür hiesige Anleger ist all das indes ohnehin weniger von Interesse. Denn bekanntlich ist der Handel mit Gazprom-Anteilen in westlichen Märkten nicht mehr möglich und Anleger sollten nicht davon ausgehen, dass sich daran noch einmal etwas ändern wird. Ärgerlich ist das vor allem für all jene, die den Ausstieg verpasst haben. Für solche Anleger zeichnet sich immer mehr ab, dass Gazprom-Anteile wohl abgeschrieben werden müssen. Selbst wenn doch noch eine Rückkehr an hiesige Märkte stattfinden sollte, was aktuell unwahrscheinlicher als je zuvor ist, so dürften die Kurse sich auf einem schmerzhaft niedrigen Niveau bewegen. Ob in Europa oder in Russland, es gibt mehr als genug Gründe, um die Gazprom-Aktie links liegen zu lassen.

 

13.09.2022 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Unterschrift - Andreas Göttling-Daxenbichler

 

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