Kirgisischer Som leidet unter dem Kollaps des russischen Rubels
Ein neuer Terms-of-Trade-Schock schwappt über Zentralasien
Die jüngste geopolitische Eskalation zwischen Russland und dem Westen hat zu einer massiven Abwertung des russischen Rubels geführt. Dies hat insbesondere für die zentralasiatischen Staaten einen neuen Schock auf die Außenhandelspreise (Terms of Trade Schock) ausgelöst. In Abhängigkeit von ihren Währungsregimen haben einige dieser Währungen bereits mit nachholender Abwertung reagiert. In diesem Kontext dürfte Kirgisien und der kirgisische Som überdurchschnittlich gefährdet sein, da Kirgisien nur über eine geringe ,,Pufferkapazität‘‘ verfügt, um solche Schocks aufzufangen. Eine weitere Abwertung des kirgisischen Som ist damit sehr wahrscheinlich.
Die ökonomische Verbindung Russlands mit den Staaten Zentralasiens hat zu einer neuen Abwertungswelle bei Letzteren geführt.
Parallel macht Kirgisien, Tadschikistan, Usbekistan und Kasachstan auch die hohe Inflation durch die weiter steigenden Rohstoffpreise zu schaffen. Zwar sind Länder wie Kasachstan und Usbekistan auch Profiteure dieses Anstieges. Allerdings führt dies auch zu einer Entwertung von Kaufkraft gerade für die ärmeren Bevölkerungsteile und damit zu anhaltenden sozialen Spannungen.
Und jene Staaten, welche nicht über große Öl- und Gasvorkommen verfügen, um ihre Zahlungsbilanz zu stabilisieren, haben zusätzlichen Abwertungsdruck. Zu diesen gehört auch Kirgisien.
Der kirgisische Som bekommt deshalb die massive Abwertung des russischen Rubels immer stärker zu spüren. Ende Februar versuchte die Zentralbank des Landes mit Devisenmarktinterventionen den Som zu stützen, aber ohne Erfolg. Die verkaufte 13,05 Mio. US-Dollar zugunsten der Landeswährung, ohne dass dies nennenswerte Effekte für den Wechselkurs hatte. Parallel hatten die Geschäftsbanken des Landes über Devisenmangel geklagt, da vieole Kunden Som in US-Dollar tauschen wollten.
Am 01.03.2022 erhöhte sie dann den Leitzins um 150 Basispunkte von 8,5 % auf 10 %.
Diese Entwicklung dürfte je nach Währungsregime in der einen oder anderen Form auch in den anderen zentralasiatischen Staaten zu spüren sein. Dabei lassen die Notenbanken wie etwa in Kirgisien innerhalb ihres Währungsregimes die Landeswährung frei ,,floaten‘‘, oder aber werten Sie schubweise ab, wenn der Abwertungsdruck zu stark wird. Bis dahin wird dann nominell eine gewisse ,,Scheinstabilität‘‘ der Währung gegen den US-Dollar geschaffen.
Ein Vergleich der Kursentwicklung des kirgisischen Som zum US-Dollar (US23129Y5096) in den letzten Monaten zeigt, dass der kirgisische Som und der kasachische Tenge bereits einen Teil der Abwertungsbewegung des russischen Rubels gegen den US-Dollar nachvollzogen haben. Der tadschikische Somoni und der usbekische Som haben aufgrund eines abweichenden Währungsregimes noch nicht auf diesen massiven ,,Terms of Trade – Schock‘‘ reagiert.
Kirgisischer Som in US-Dollar auf TradingView
Und was ist das Fazit?
Die Corona-Restriktionen sind noch nicht vorüber, und die Preise steigen auch in Zentralasien deutlich. Unter den zentralasiatischen Staaten mit der geringsten außenwirtschaftlichen Pufferkapazität ist Kirgistan eines der verwundbarsten. Damit ist auch der kirgisische Som überdurchschnittlich abwertungsgefährdet, sollte der russische Rubel auf dem aktuellen Niveau verharren oder sogar weiter abwerten. Damit sind Kirgisien und der kirgisische Som ein klassischer ökonomischer ,,Kollateralschaden‘‘ der Entwicklung in Russland und der Ukraine.
03.03.2022 - Arndt Kümpel

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