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Uniper begibt sich in eine neue Zeitrechnung und mit einer Rückkehr zu alten Verhältnissen ist nicht zu rechnen

Die Anleger wurden längst in die Flucht geschlagen

NTG24 - Uniper begibt sich in eine neue Zeitrechnung und mit einer Rückkehr zu alten Verhältnissen ist nicht zu rechnen

 

Nun ist es offiziell und Uniper wird nahezu vollständig in den Besitz der Bundesregierung übergehen. Nur durch die Verstaatlichung lässt sich eine Insolvenz des momentan hochdefizitären Unternehmens noch verhindern. Für die wenigen verbliebenen Anleger verheißt dieser Schritt nichts Gutes.

Schließlich sichert der Bund sich die Anteile an Uniper (DE000UNSE018) zu einem Bruchteil des ohnehin bereits eingestürzten Kurses. In der Folge verwässern die Kurse noch weiter, worauf der Aktienkurs am Mittwoch bereits mit heftigen Verlusten reagierte. Auch leichte Zugewinne von etwa fünf Prozent am Donnerstag können den Crash nicht kaschieren. Mit einem Schlusskurs von 3,27 Euro notierte Uniper gestern 91 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr.

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Werbebanner EMH PM TradeDas größte Problem ist und bleibt der Wegfall von russischem Gas, durch den Uniper gezwungen ist, den Rohstoff teuer aus anderen Quellen zu beziehen. Bisher durfte der Konzern die gestiegenen Kosten nicht an die Kunden weitergeben. Experten schätzen, dass dadurch Verluste von rund 120 Millionen Euro anfallen – jeden Tag. Dass selbst große Konzerne einen solchen Kurs nicht besonders lang fahren können, dürfte jedem klar sein. Immerhin soll ab Oktober die Gasumlage rund 90 Prozent der Verluste abdecken. Damit würden aber immer noch zweistellige Millionenbeträge jeden Tag ins Nirvana verschwinden.

Für den Bund ist die Übernahme derweil alles andere als eine billige Angelegenheit. Insgesamt dürften die Investitionen sich auf 30 Milliarden Euro belaufen, rechnet man die Entschädigungen an die bisherige Eignerin Fortum sowie andere Faktoren mit ein. Bei einer Bewertung von aktuell noch etwas mehr als einer Milliarde Euro klingt das nach keinem besonders guten Geschäft. Absehbar ist dadurch in jedem Fall, dass der Bund sich allzu schnell nicht von Uniper verabschieden wird.

 

Uniper muss sich neu erfinden

 

Schließlich hält die Bundesregierung auch bis heute noch an ihren Anteilen an der Commerzbank (DE000CBK1001) fest, obwohl es der deutlich besser geht als vor einigen Jahren. Man ist es aber wohl dem Steuerzahler schuldig, sich von Unternehmen erst dann zu trennen, wenn dabei möglichst ein Plus herausspringt oder die Verluste zumindest auf ein überschaubares Niveau reduziert werden konnten. Bis ein solcher Zustand bei Uniper erreicht ist, dürften noch viele Jahre ins Land ziehen.

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Der Versorger wird sich in den kommenden Jahren komplett neu erfinden müssen. Das war schon vorher absehbar, da an eine Wiederaufnahme von russischen Gaslieferungen auch langfristig nicht zu denken ist. Nun kommt aber erschwerend hinzu, dass auch die Kohlekraftwerke keine echte Zukunft mehr haben. Denn die passen so überhaupt nicht in den Kurs der Regierung, welche sich von Kohle eigentlich möglichst bald verabschieden möchte. Durch den Ukraine-Krieg und die daraus resultierende Energiekrise wurde dieses Vorhaben lediglich nach hinten verschoben, nicht aber aufgegeben.

 

Wasserstoff als Rettungsanker?

 

Salopp gesagt brechen Uniper derzeit so ziemlich alle größeren Einnahmequellen weg und es ist fraglich, womit in Zukunft eigentlich Geld verdient werden soll. Große Hoffnungen werden in das Thema Wasserstoff gesetzt, wo auch bereits entsprechende Investitionen getätigt wurden. Bis es hier zum großen Durchbruch kommt, sollen derweil ab dem kommenden Jahr Flüssiggasterminals in Deutschland für etwas Entspannung sorgen.

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Werbebanner ClaudemusVielleicht gelingt dem Management in einigen Jahren das Kunststück, Uniper wieder auf Kurs zu bringen und in die schwarzen Zahlen zurückzuführen. Unmöglich ist das keineswegs, wenn auch mit gigantischen Herausforderungen verbunden. Für den Moment gibt es für Privatanleger aber nichts zu holen und es ist nur weiterhin zu empfehlen, einen großen Bogen um die Uniper-Aktie zu machen. Die Talfahrt bei dem Papier dürfte ihr Ende noch nicht erreicht haben. Tatsächlich wäre es keine allzu große Überraschung, wenn die Abwertungen sich noch bis in Richtung 1,70 Euro ziehen. Zu diesem Preis kauft die Bundesregierung ein, und eben jene wird in Zukunft knapp 99 Prozent der Anteile halten.

 

23.09.2022 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Unterschrift - Andreas Göttling-Daxenbichler

 

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