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BÖRSE TO GO - mit EZB, Deutsche Börse und Rational

Gewinnmitnahmen vor dem langen Wochenende

 

Guten Tag,

gedanklich scheinen die Börsianer heute schon im verlängerten Wochenende gewesen zu sein. Jedenfalls zeigten die Notierungen darauf, dass man hier vor dem langen Wochenende seine Position eher im Risiko minimieren möchte. Deshalb gab es auch im DAX zum Handelsende hin ein Minus von fast 2 %.

Hier spielte sicherlich auch die heutige EZB-Sitzung eine Rolle. Zwar hatte die Europäische Zentralbank erklärt, dass man im Notfall die bestehenden Anleihenkäufe verlängern und auch die Liquiditätsversorgung ausweiten würde. Dennoch fielen die aktuellen Anpassungsmaßnahmen eher unaufgeregt aus, was ebenfalls einige Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Kursaufschlägen nach sich zog.

 

Die EZB hat beschlossen:

 

Konkret ließ die EZB die Leitzinsen unverändert. Das betraf auch die sogenannte Forward Guidance, also der Zinsausblick. Das schon länger bestehende Anleihenkaufprogramm, das unter dem Kürzel APP läuft, bleibt ebenfalls unverändert. Hier kauft die EZB monatlich allein im Wert von 20 Milliarden Euro. Überlegungen im Vorfeld, dass die EZB hierbei ihre Käufe auch auf den Non-Investmentgrade-Bereich ausweiten könnte, wurden nicht bestätigt. Nach Auskunft der EZB-Chefin Christine Lagarde wurde dieses Thema nicht einmal diskutiert.

Ebenfalls beim Krisenprogramm PEPP bleibt es bei den 750 Milliarden Euro. Zusätzlich dazu können sich die Euro-Banken bei den TLTRO3-Refinanzierungsgeschäften nochmals günstiger mit Geld versorgen. Die EZB hat in diesem Zusammenhang schon angekündigt, dass man im Mai weitere Refinanzierungsgeschäfte ins Rennen schickt.

Im Zwischenfazit: Dass nach der jüngsten Rallye die Börsen mal wieder eine kleine Pause machen, ist nachzuvollziehen. Zumal die Berichtssaison weiterhin recht wechselhaft verläuft und natürlich unter dem großen Thema Corona-Pandemie steht.

 

DEUTSCHE BÖRSE dank Volatilität obenauf

 

Auf Unternehmensebene meldete sich heute ausgerechnet der Börsenbetreiber DEUTSCHE BÖRSE zu Wort. Sie bestätigte ihre Wachstumsziele für das laufende Jahr. So sollen die strukturellen Nettoerlöse, also aus dem organischen Geschäft, weiterhin mindestens um 5 % zulegen können. Diese Bestätigung folgt, nachdem schon gestern Abend der Börsenbetreiber das Gewinnziel für dieses Jahr mit 1,2 Milliarden Euro bestätigt hat.

Verwunderlich ist das nicht. Denn gerade Börsenbetreiber profitieren ja von einer sehr volatilen Börse und damit einem deutlich höheren Handelsumsatz. Heute brachte das der Aktie einen weiteren kleinen Aufschlag gegen den allgemeinen Markttrend ein. Damit bestätigt sich auch der geradezu V-Rebound, der in den vergangenen Wochen gelang. Eine neue Positionierung würden wir auf dem aktuellen Niveau allerdings nicht unbedingt für notwendig halten.

 

Chart Deutsche Börse

 

RATIONAL leidet unter Restaurant-Schliessungen

 

Noch eine Meldung aus dem deutschen Nebenwertesektor. Der Großküchenausstatter RATIONAL musste im ersten Quartal einen Umsatzrückgang um 7 % auf 181,3 Millionen Euro hinnehmen. Natürlich wurde hier wieder die Corona-Pandemie als Grund genannt. Das operative Ergebnis auf Basis des EBIT verringerte sich sogar um 44 % auf nur noch 26 Millionen Euro. Die Marge betrug 14,3 % und lag damit fast 10 % Punkte unter dem Vorjahreswert.

Entwarnung kann auch nicht für das zweite Quartal gegeben werden. So dürfte sich der starke Auftragsrückgang der letzten Wochen deutlich in den Umsatzzahlen niederschlagen. Deshalb rechnet auch RATIONAL mit erheblichen Umsatz- und Ergebniseinbußen. Wie viele andere Unternehmen auch traut sich RATIONAL derzeit keine Prognose für das Gesamtjahr zu.

Die Aktie fiel daraufhin um mehr als 6 % und läuft nun Gefahr, wieder auf die 400-Euro-Marke, dem bisherigen Corona-Tief, zurückzufallen. Das gilt es weiter zu beobachten. Turnaround-Käufe, wie wir sie bei vielen anderen Unternehmen inzwischen ins Visier genommen haben, würden wir hier vorerst nicht anraten, da wohl die Hauptabnehmer-Branche von RATIONAL, das Gaststättengewerbe, derzeit immer noch keine belastbare Normalisierung-Perspektive bekommt.

 

30.04.2020 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 









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