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BÖRSE TO GO - Eurokai, Grenke und Tencent

Hexensabbat

 

Hexensabbat. Es ist der dritte Freitag im dritten Monat des Quartals und damit Settlement-Tag für Aktienoptionen, Aktienindexoptionen und Aktienindexfutures. Der dreifache Verfallstermin führt regelmäßig an den Terminmärkten zu verstärkter Volatilität, die sich auf den Kassamarkt übertragen kann. 

Der deutsche Aktienmarkt startete am Donnerstag tief im Minus, erholte sich aber den ganzen Tag über. Die Verluste zur Eröffnung konnten teilweise wieder ausgeglichen werden. Am Ende schloss der DAX bei 13.208,12 Punkten mit einem Verlust von -0,36 %. RWE (-1,67%) und die Münchener Rück (-1,41 %) waren die DAX-Aktien mit den größten Tagesverlusten. Die Benchmark mit dem größten Tagesverlust war der TecDAX, der um -0,53 % auf 3.100,83 Punkte sank. Aixtron (-2,05 %) und LPKF (-1,96 %) verzeichneten die größten Abgaben. 

Nach Börsenschluss in Europa endete der positive Tagestrend an der Wall Street. Die Tagesverluste weiteten sich im amerikanischen Handel aus und wurden dann in der letzten Handelsstunde etwas gedämpft. Zum Schluss blieb für den S&P 500 Index ein Verlust von -0,84 % auf 3.357,01 Punkte übrig. Der Nasdaq Composite Index verzeichnete unter den wichtigsten US-Benchmarks die größten Verluste mit einem Minus 1,27 % auf 10.910,28 Punkte.  

Japan und Australien pendeln heute im asiatischen Handel um den Schlussstand des Vortages herum. Der chinesische Aktienmarkt zeigt sich dagegen optimistisch. Alle Benchmarks bis auf den China A50, können sich deutlich ins Plus vorarbeiten. Am stärksten steigt der Dow Jones Shanghai Index mit einem Plus von zwischenzeitlich mehr als 0,6 %. 

 

Grenke will Stellung nehmen

 

Bereits am Donnerstag hatte sich der Firmengründer Wolfgang Grenke zu Wort gemeldet. Der erste Verteidigungsversuch fiel kurz und schwach aus, war dünn an Fakten und kam erst kurz vor Börsenschluss. Die Short-Seller deckte aber ihre Gewinne ein, was die Aktie stark um 33,56 % auf 35,66 Euro springen ließ, nachdem das Unternehmen für den heutigen Freitagnachmittag eine Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren angekündigte hatte, an der die Grenke-Chefin Antje Leminsky, Wolfgang Grenke selbst in seiner Position als stellvertretender  Aufsichtsratsvorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Moritz Lipp teilnehmen wollen.

 

Eurokai: Umsatz- und Gewinnwarnung

 

Der Containerhandel in Europa leidet stark unter der Corona-Krise. Das Handelsvolumen liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau, was auch die Häfen zu spüren bekommen. Eurokai gab gestern Abend bekannt, dass der Überschuss für das 1. Halbjahr von 51,5 Mio. Euro auf 3,5 Mio. Euro gesunken ist. Eurokai machte dafür vor allem das gesunkene Beteiligungsergebnis verantwortlich, das im Vorjahr einen Gewinn von 10,1 Mio. Euro auswies und durch Corona in diesem Jahr einen Verlust von -7,1 Mio. Euro ergeben hat. Der Spezialist für die Abwicklung von Containern in Häfen wie Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Lissabon oder Tanger gehört zu mehr als 75 % der Familie Eckelmann.  

Die Prognose für 2020 muss Eurokai herunternehmen. Das Unternehmen nannte kein konkretes neues Ziel, warnte jedoch vor einem „deutlich“ rückläufigen und wahrscheinlich sogar negativen Konzernergebnis für das Gesamtjahr. Darüber hinaus warnte Eurokai, dass die Aktionäre sich auf einen nicht näher bezifferten Wertberichtigungsbedarf bei den Finanzanlagen des Unternehmens einstellen müssen. 

 

Trump greift Tencent erneut an

 

Präsident Trump lässt  nicht locker. Die Attacken gegen chinesische Unternehmen werden Stück für Stück ausgeweitet und die Administration versucht gezielt dort anzugreifen, wo der größte Schaden angerichtet werden kann. Im August hatte Trump die erste Attacke gegen Tencent, einen der größten chinesischen Technologiekonzerne, geführt und per Präsidialerlass verboten, dass Amerikaner und amerikanische Unternehmen in Zukunft noch Geschäfte mit Tencent durchführen oder deren Produkte benutzen dürfen. Das bezog sich insbesondere auf die in China und bei Chinesen beliebte Kommunikationsplattform WeChat. Doch Tencent hat nicht nur ein großes Portfolio an Diensten und Produkten, sondern ist auch einer der größten Investoren Chinas. 

 

Tencent

 

Das Weiße Haus versucht nun, die Beteiligungen von Tencent zu beschädigen. Die Chinesen haben mehr als 300 Investments in ihrem Portfolio. Viele davon in den USA und mit Beziehungen zum US-Markt. Stark vertreten ist man beispielsweise im Bereich der Videospiele. EPIC, der Entwickler von Fortnite und der Unreal Engine, kann Tencent zu seinen Ankeraktionären zählen, ebenso wie ActivisionBlizzard und Riot Games. All diese Unternehmen haben Post vom Committee on Foreign Investments in the US (Cfius) bekommen und müssen nun offenlegen, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, um Kundendaten vor dem Zugriff durch Tencent zu schützen. Datenschutz ist typischerweise ein Schwachpunkt amerikanischer Unternehmen. Die Anfrage wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hinauslaufen, dass den Unternehmen das Geschäft untersagt wird, wenn sie sich nicht von ihrem Ankerinvestor trennen. Die Aktien von Tencent fallen heute im Handel in Hongkong um mehr als -1,6 % auf 518,50 HK-Dollar.

 

Folgende wichtige Aktien werden heute Ex-Dividende gehandelt: DTE Energy, Omnicom, Pulte Group und Tiffany

 

Stimmungsindikatoren aus den USA

 

Aus Deutschland kommen heute früh um 08:00 Uhr die ersten wichtigen Wirtschaftsdaten. Der Erzeugerpreisindex für den Monat August wird veröffentlicht. Im Jahresvergleich sollen die Preise um -1,4 % gefallen sein. Eine Verbesserung zum Juli, wo der Erzeugerpreisindex um -1,7 % fiel. Im Vergleich zum Vormonat wird ein Rückgang um -0,1 % erwartet.

Um 10:00 Uhr wird die Leistungsbilanz der Euro-Zone für den Monat Juli bekannt gegeben. Die Leistungsbilanz hat einen wichtigen Einfluss auf den Außenwert des Euro. Saisonal bereinigt stand der Leistungsbilanzüberschuss im Juni bei 17,3 Mrd. Euro. 

Nach Börseneröffnung in New York wird die Universität Michigan um 16:00 Uhr die vorläufigen Stimmungsindikatoren für September bekannt geben. Das Verbrauchervertrauen soll von 74,1 auf 75,0 Punkte gestiegen sein. Die Konsumentenerwartungen sollen von 68,5 auf 67,8 Punkte gesunken sein. 

 

18.09.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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