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Daimler weckt mit vorläufigen Q3-Zahlen neue Hoffnungen

Daimler verdient mehr als erhofft

 

Nach einer fünfjährigen Talfahrt bei der Daimler-Aktie haben viele Investoren entnervt das Handtuch geworfen. Nicht umsonst geriet das Papier zum Höhepunkt des Corona-Crashs überdurchschnittlich unter Druck und markierte am 19. März bei 21,02 Euro den tiefsten Stand seit 2009. Ausgehend von diesem niedrigen Niveau gelingt es dem Anteilsschein von Daimler (ISIN: DE0007100000; WKN: 710000) aber nun, sich wieder zunehmend zu berappeln. Die am späten Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal verleihen den vorsichtigen Hoffnungen, dass sich die Erholungsbewegung bei dem Papier fortsetzt, neuen Auftrieb.

Im Zeitraum von Juli bis September erwirtschafte der Stuttgarter Traditionskonzern vor Zinsen und Steuern einen Gewinn von 3,07 Mrd. Euro. Damit gelang es Daimler, die niedrigen Analystenerwartungen, die sich im Konsens auf 1,95 Mrd. Euro beliefen, erheblich zu schlagen. Insgesamt ist diese Entwicklung auch für Aktionäre erfreulich, denn die Schwaben können aktuell sinnbildlich jeden Euro gebrauchen, um diesen in zukünftige Technologien zu investieren. So muss auch Daimler insgesamt sicherlich noch zweistellige Milliardenbeträge investieren, um bei der Trendwende hin zur Elektromobilität doch noch auf die Erfolgsspur zurückzukehren.

 

Der Zug ist für Daimler noch nicht abgefahren

 

Der langjährige Konzernchef Dieter Zetsche hat seinem Nachfolger Ola Källenius keine leichte Aufgabe hinterlassen. Bereits zum Zeitpunkt der Amtsübernahme im Mai 2019 war deutlich, dass Daimler jetzt beim Umbau hinzu zu einem zukunftsfähigen Mobilitätskonzern in den höchsten Gang schalten muss, um nicht den Anschluss zu verpassen. Mittlerweile ist es aber dem 51-jährigen Schweden gelungen, langsam aber stetig neues Vertrauen am Kapitalmarkt zu gewinnen. Denn ausgehend vom Jahrestief legte der DAX-Titel immerhin um rund 130 % zu.

Mit dem jüngsten Zahlenwerk setzte Källenius zum Ende dieser Woche weitere positive Akzente. Denn insgesamt profitiert Daimler von einer allgemeinen Markterholung am Automobilmarkt, die nach dem Corona-Lockdown in diesem Frühjahr überfällig war. Besonders bei reichen Chinesen, die ein wichtiger Absatzmarkt für Daimler sind, kamen die Autos mit dem Stern wieder besser an. Zudem zeigte sich Daimler-Finanzvorstand Harald Wilhelm optimistisch, dass diese positive Dynamik auch im vierten Quartal anhält.

 

 

Entscheidendes Jahrzehnt steht für Daimler bevor

 

Die wieder etwas erfreulichere operative Entwicklung ist bei Weitem noch kein Befreiungsschlag für den Autogiganten. Allerdings scheinen mit Ola Källenius die Chancen zu steigen, dass Daimler bei den neuen Antriebsformen doch noch die Kurve kriegt. Mit der Strategie, die Fixkosten, Investitionen und Entwicklungskosten in der Pkw-Sparte bis 2025 um 20 % gegenüber 2019 zu senken und gleichzeitig bis 2030 mehr als 20 reine E-Autos einzuführen, befindet sich Daimler auf dem richtigen Weg. Zum einen ist es erforderlich, die Ausgaben bei klassischen Verbrennerautos drastisch zusammenzustreichen. Zum anderen ist beispielsweise die Komplexität von Elektro-Motoren weitaus weniger ausgeprägt als bei Dieselfahrzeugen oder Benzinern, was in der Summe Kosteneinsparungen trotz höherer Zukunftsinvestitionen in die E-Mobilität ermöglicht.

 

Bewertung eröffnet weiteres Erholungspotenzial

 

Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Konzernumsatz bei Daimler von 172,7 Mrd. Euro auf rund 151 Milliarden Euro schrumpfen. Allerdings trauen die Analysten im Konsens den Stuttgartern zu, diese Delle bis zum Jahr 2022 wieder komplett aufzuholen und die Erlöse bis 2022 auf ein Niveau von 176,6 Milliarden Euro zu steigern. Dennoch erwarten wir, dass Daimler am Ende dieser Dekade tendenziell Anteile auf dem Weltmarkt verlieren wird, da unter anderem viele neue chinesische Konkurrenten sich ein Stück von diesem attraktiven Kuchen abschneiden werden. Da der Titel derzeit mit einem geschätzten 2021er-KGV von 10 und einem 2022er-KGV von 7,3 gehandelt wird, sehen wir ausgehend von dem aktuellen Kursniveau aber dennoch weiteres Erholungspotenzial.

 

Es muss nicht immer nur Tesla sein

 

Aktuell wird die Daimler-Aktie mit dem 0,3fachen des geschätzten 2021er-Jahresumsatzes gehandelt. Hingegen müssen Tesla-Investoren aktuell etwa das 9,8fache des erwarteten 2021er-Erlöses zahlen. Zudem liegt das prognostizierte 2021er-KGV von Tesla bei 174. Somit ist der hippe US-Konzern gemessen am Kurs-Umsatzverhältnis mehr als 30mal und gemessen am KGV mehr als 17mal höher bewertet als Daimler. Ohne Frage ist bei Tesla durchaus der weitaus höhere fundamentale Aktienpreis auch gerechtfertigt. Allerdings könnten sich die Bewertungsunterschiede zwischen den beiden Papieren mittelfristig wieder etwas nivellieren, sofern Daimler-CEO Källenius mit seiner Strategie und seinen Ergebnissen am Kapitalmarkt ankommt. Insgesamt sehen wir gute Chancen, dass der DAX-Titel ausgehend von dem aktuellen Kursniveau seine mittelfristige Aufwärtsbewegung fortsetzen wird. Eine alte Kaufmannsweisheit lautet: „Im Einkauf liegt der Gewinn“. Sofern der Källenius liefert, könnte sich diese Regel auch bei der Daimler-Aktie wieder einmal bewahrheiten.

 

16.10.2020 - Tim Rademacher - tr@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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