Analysten schrauben die Kursziele für Micron immer höher und die Kauflaune bei den Bullen scheint gar keine Grenzen mehr zu kennen
Lässt Micron den Schweinezyklus endgültig hinter sich?
Speicherhersteller hatten es in der Vergangenheit selten leicht. Das Geschäft war stark zyklisch und geprägt vom sogenannten Schweinezyklus. Doch die Dinge scheinen sich dank des KI-Booms grundsätzlich geändert zu haben. Das ist auch den Analysten längst aufgefallen, welche die Aktie von Micron trotz der bereits zurückgelegten Rallye mehrheitlich zum Kauf empfehlen. Die Kursziele steigen sogar weiter in Höhen, von denen vor wenigen Jahren noch niemand zu träumen gewagt hätte.
In früheren Zeiten gab es bei Micron (US5951121038) zwar ebenfalls Phasen, bei denen ein knappes Angebot auf eine enorme Nachfrage traf, was Preise und Margen in die Höhe trieb. Darauf folgte aber sehr zuverlässig eine Episode, bei der die Nachfrage nachließ, während munter neue Kapazitäten hochgezogen wurden. Das Resultat war ein klassischer Käufermarkt. Das hohe Angebot triebt die Preise in die Tiefe und die Margen fielen rapide, manchmal sogar in den negativen Bereich.
Aktuell wird jedoch stark vermutet, dass dieses Muster sich allzu bald nicht wiederholen wird. Denn Micron verkauft seinen Speicher heute längst nicht mehr zu tagesaktuellen Preisen. Der Bedarf der Hyperscaler ist derart groß, dass jene langfristige Verträge mit Laufzeiten von bis zu fünf Jahren abschließen. Für diese Zeit kann Micron mit verlässlichen Absätzen und enormen Margen rechnen. Dadurch lässt sich auch jetzt schon absehen, dass aktuelle Investitionen sich auszahlen dürften.
Micron hebt weiter ab
Profitieren kann Micron schwer davon, eine Schlüsselkomponente für den KI-Boom herzustellen. Ohne Speicher läuft in den Rechenzentren nichts. Die Chips werden sowohl für KI-Beschleuniger als auch Server benötigt. Ganz nebenbei wird Arbeitsspeicher heute auch in Smartphones, Fernsehern und sogar Autos dringend benötigt. Dabei streiten sich sämtliche Unternehmen um die gleichen, knappen Ressourcen. Auch wenn der KI-Hype die Richtung vorgibt, so steigen für Micron die Margen auch in allen anderen Segmenten.
Die Analysten der UBS gehen fest davon aus, dass der Trend sich fortsetzen wird. Wie „Der Aktionär“ berichtet, hat die Schweizer Großbank nicht nur die Kaufempfehlung für den Chiphersteller bestätigt. Das Kursziel wurde auch mal eben verdreifacht und lautet nun auf 1.625 US-Dollar. Das ließen die Bullen sich nicht zweimal sagen. Die Micron-Aktie schoss am Dienstag um 19,3 Prozent bis auf 895,88 Dollar in die Höhe. Zeitweise konnte bei 916,80 Dollar ein neues Allzeit-Hoch markiert werden und die Bewertung sprengte bereits die Marke von einer Billion Dollar.
Zwar ist Micron nicht konkurrenzlos. In Südkorea werden von Samsung und SK Hynix sogar deutlich mehr Speicherchips hergestellt. Der KI-Boom hat jedoch derart gigantische Dimensionen, dass alle drei Hersteller die Nachfrage nicht annähernd bedienen können. Gerüchten zufolge werden sie deshalb auch von zahlungskräftigen Kunden regelrecht umgarnt. Preise spielen keine Rolle, stattdessen wird einzig noch um Kapazitäten gefeilscht.
Luft nach oben
Im Jahresvergleich konnte die Micron-Aktie bereits um 860 Prozent zulegen. Das sieht im ersten Moment nach einem Warnsignal aus. Angesichts der fundamentalen Entwicklungen sind solche Aufschläge aber tatsächlich vertretbar. Die hohen Schätzungen der Analysten sind alles andere als aus der Luft gegriffen. Folgerichtig gibt es auch jetzt noch interessante Einstiegschancen. Wie viel Aufwärtspotenzial auch jetzt noch besteht, das gab es im Handel am Dienstag sehr deutlich zu sehen.
Vollkommen risikofrei ist die Micron-Aktie zwar nicht. Kurzfristig können Gewinnmitnahmen den Kurs jederzeit unter Druck setzen. Davon abgesehen bräuchte es aber eine Marktverschiebung im wirklich großen Ausmaß, um den rasanten Wachstumskurs noch stoppen zu können. In der Vergangenheit mussten Anleger stets rätseln, ob neue Fabriken sich wirklich lohnen würden oder nicht am Ende für zu hohe Kapazitäten sorgen würden. Heute deutet alles schwer darauf hin, dass jeder neue Standort die Gewinne weiter in die Höhe katapultiert. Erst ein Ende des KI-Booms würde daran etwas ändern. Bislang ist davon jedoch wenig zu sehen.
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27.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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