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Nel ASA: VERKAUFEN – Geldvernichtungsmaschine auch im 4. Quartal immer hochtouriger

Verlustanstiege im 4. Quartal bereits desaströs, Perspektivaussagen noch bedenklicher

NTG24 - Nel ASA: VERKAUFEN – Geldvernichtungsmaschine auch im 4. Quartal immer hochtouriger

 

Am gestrigen Tag legte Nel ASA, der weltführende norwegische Spezialist in der Entwicklung insbesondere von Elektrolyseuren für die CO2-neutrale Produktion „grünen“ Wasserstoffs wie auch von innovativsten Wasserstoff-Betankungstechnologien seine Geschäftszahlen zum 4. Quartal sowie Gesamtjahr 2021 vor, die in der Umsatzentwicklung die Analysten-Konsensprognose zwar übertrafen, aber auf allen nachfolgenden Ebenen weitere Verlustanstiege auswiesen, die selbst die vorherigen kritischsten Analystenerwartungen noch toppten und aus unserer Sicht insgesamt nur als schlichtweg desaströs zu bezeichnen waren.

In völliger Bestätigung des schon seit 24.01. entscheidend vollzogenen Bruchs des letzten (flacheren) Aufwärtstrends, dessen Basis bereits in der 3. Juni-Woche 2019 gelegt wurde, quittierte der Markt dieses erneut publizierte Gewinndebakel von NEL ASA (NO0010081235) mit dem gestrigen Kursabschlag um nur - 1 % in unseren Augen sogar noch sehr glimpflich, was wir jedoch ausschließlich auf die in einer Erstreaktion unverändert erfolgte Beibehaltung der wesentlich optimistischeren Kursziele durch die Researchhäuser Jefferies, RBC und Goldman Sachs in einer Spanne von 17 – 23 NOK zurückführen.

Im Einzelnen gab Nel ASA im Rahmen seiner heutigen Ergebnisvorlage für das 4. Quartal gegenüber dem Vorjahr einen 8 %igen Umsatzanstieg auf 248 Mio. NOK bekannt, womit der nach unterschiedlichen Quellenangaben gemittelte Analystenkonsens von ca. 243 Mio. NOK in jedem Fall übertroffen wurde. Selbst hiermit konnte jedoch die erhebliche Verfehlung der Analystenumsatzschätzungen aus dem 1. und 2. Quartal in keiner Weise mehr kompensiert werden, so dass der im Gesamtjahr 2021 realisierte 22 %ige Umsatzanstieg auf 798 Mio. NOK dennoch hinter der Konsenserwartung von 812 Mio. NOK zurückblieb.

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Werbebanner EMH PM TradeBasis dieser als einzig und allein als erfreulich zu wertenden Umsatzentwicklung von Nel ASA im 4. Quartal war dabei ein zum Jahresende 2021 vorliegender rekordhoher Auftragsbestand von 1,23 Mrd. NOK, der damit das Niveau per 31.12.2020 sogar um + 25 % übertraf.

Dagegen, und hiermit beginnen nun die nachfolgend immer düsterer werdenden Schattenseiten der heutigen Ergebnisvorlage von Nel ASA, entwickelte sich der Auftragseingang des Gesamtjahres 2021 um – 7 % rückläufig, was auch nicht einmal durch die sehr anerkennenswerte Auftragseingangsflut im 4. Quartal infolge einer Vielzahl neuer Projektvertragsabschlüsse (+ 43 % gegenüber dem Vorjahr auf 418 Mio. NOK) aufgefangen werden konnte.

 

Katastrophale Verlustausweitung im 4. Quartal

 

Kommen wir anschließend also nun zur „Bilanz des Grauens“ auf der Verlustseite von Nel ASA, die im 4. Quartal ausgerechnet zeitgleich mit der Rekordumsatzerzielung des Konzerns ebenso eine historisch neue Negativrekord-Dimension erreichte.

So weitete sich im 4. Quartal zunächst der operative EBITDA-Verlust (d.h. vor Abschreibungen und Goodwill-Amortisationen) gegenüber dem Vorjahr um gewaltige – 75 % auf fast – 168 Mio. NOK aus, womit also nicht nur quasi 2 von 3 umsatzseitig eingenommenen NOK einen EBITDA-Verlust in gleicher Höhe produzierten, sondern auch die Analystenkonsenserwartung eines defizitären EBITDAs von „nur“ – 111 Mio. NOK meilenweit verfehlt wurde. Auf Gesamtjahresbasis 2021 schoss der EBITDA-Verlust gar um 88 % auf – 475 Mio. NOK in die Höhe, auch dies überstieg die Analystenkonsensprognose von „nur“ – 391 Mio. NOK natürlich um Längen.

Weiter ging es im 4. Quartal mit einer Ausweitung des EBIT-Verlusts um – 41 % auf – 197 Mio. NOK, dessen Anstieg auch nur allein deshalb nicht ganz so dramatisch wie auf EBITDA-Ebene ausfiel, weil sich Nel ASA im 4. Quartal, weniger stark als noch in den Vorquartalen, diesmal lediglich mit einer noch bestmöglich bilanzschonenden Wertberichtigung ihrer ebenfalls hoch defizitären Finanzbeteiligungen am Elektrofahrzeug-Hersteller NIKOLA (US6541101050) wie auch dem dänischen Wasserstoffbetankungs-Spezialisten EVERFUEL (DK0061414711) um insgesamt rd. 90 Mio. NOK „begnügte“. Jedoch stellte sich auch auf EBIT-Ebene hiermit selbstverständlich eine massive Verfehlung des Analystenkonsenses von „nur“ – 134 Mio. NOK ein. Genauso stark weitete sich der EBIT-Verlust auch im Gesamtjahr 2021 um 41 % auf – 583 Mio. NOK aus (dagegen Analystenprognose: - 511 Mio. NOK).

Bereinigt um einen hohen außerordentlichen Vorsteuer-Zusatzertrag im 4. Quartal des Vorjahres 2020 in Höhe von rd. 1,53 Mrd. EUR aus der am 20.10.2020 erfolgten Börseneinführung ihrer Beteiligung Everfuel (damit Absenkung der weiter bestehenden Nel ASA-Beteiligung auf nur noch 16 %) bedeutet die im 4. Quartal 2021 weiter erfolgte Vorsteuer-Verlustausweisung gegenüber dem Vorjahr ebenfalls einen Anstieg um 19 % auf nunmehr – 281 Mio. NOK, während auch auf dieser Gewinnebene die Analysten nur einen Verlustausweis von – 212 Mio. NOK erwartet hatten.

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Für das Gesamtjahr 2021 stand damit nach dem weiteren katastrophalen IPO ihrer derzeit noch rd. 20 %igen Beteiligung am norwegischen Hydrogen-Lagerungs- und Containerfracht-Spezialisten HYON (NO0011204158) im 1. Quartal des Jahres, dem bereits eine gewaltige Abschreibung auf den ursprünglich wesentlich höher anvisierten Erstemissionspreis (effektiv: 2,34 NOK) vorausging, somit nun ein astronomischer Vorsteuerfehlbetrag von fast – 1,7 Mrd. NOK sowie ein daraufhin fast ebenso hoher Konzernnettoverlust zu Buche, was gegenüber dem Vorjahr 2020 (nach Bereinigung um o.g. Everfuel-IPO-Erlös aus dem 4. Quartal 2020) somit als nahezu eine Ver-7-Fachung darstellte !

 

Verlust-Erläuterungen lassen weiterhin jegliche Profitabilitäts-Ambitionen vermissen

 

Diese erneut verheerende Verlustausweitung im 4. Quartal begründete der zum 1. Juli scheidende CEO Jon André Løkke (künftiger neuer CEO: Håkon Volldal, s. unsere letzte Analyse hier) völlig lapidar mit den Aussagen, dass nicht nur die Lieferkettenstörungen durch die Corona-Pandemie auf der Beschaffungs- wie Absatzseite und die damit einhergegangen Rohstoffpreisexplosionen die Verlustsituation verschärft hätten (was natürlich noch nachvollziehbar war), sondern dass – genau auch wie z.B. beim ebenso chronisch defizitären Essenszulieferer DELIVERY HERO (DE000A2E4K43), s. unsere gestrige Analyse – die ebenso auch von Nel ASA zunehmend für langfristig „zwingend geboten“ gehaltene weltweite strategische Projektoffensive (die z.B. in 2021 mit einer Erhöhung der Mitarbeiterzahl um nicht weniger als 29% verbunden war) „halt eben“ die massive weitere operative Ausgabenerhöhung und Kostenbelastung mit sich gebracht habe, die im 4. Quartal mit + 21 % und im Gesamtjahr 2021 mit + 30 % daher folgerichtig auch über das Umsatzwachstum hinausgegangen und für die weitere Margenerosion verantwortlich gewesen sei.

Den absoluten Gipfel im Offenbarungseid dieser Aussagen stellten jedoch die weiteren aus unserer Sicht äußerst bedenklichen Statements von CEO Løkke dar, Nel ASA befinde sich derzeit in ihrer Ausgaben- und Investitionspolitik „bewusst vor der gleichzeitigen Nachfrage- und Umsatzkurve“, um künftig für einen (ab 2025 angepeilten, aber natürlich völlig hypothetischen und für die effektive Konzernumsatzerzielung nahezu aussagefreien) potenziell „ADRESSIERBAREN Umsatzvolumens-Anstieg ihrer rd. 1000 (!!) vertraglich mit Nel ASA-Produktlösungen unterstützten Einzelprojekte auf ca. 12 Mrd. USD bestmöglich gewappnet“ zu sein, und – dies ist nun die absolute Krönung seiner Aussagen – „gerade die (zwangsläufigen) Auftragserfüllungs-Verpflichtungen“ aus den zurückliegenden zahlreichen Neuprojektabschlüssen im Bereich der Wasserstoff-Elektrolyseure wie auch Betankungs-Technologien hätten „die Verlustausweitung negativ beeinflusst, da die aktuellen Kundenprojekte von Nel ASA auch immer stärker mit neuen Regionen, Kundensegmenten, Technologiekomponenten oder -produkten verbunden seien, was nun mal natürlich Zusatzkosten und höhere Gewinnrisiken mit sich bringe“.

 

Nel ASA weiterhin potenzielle Verlusterzeugungsmaschine ohne Boden, Aktie VERKAUFEN

 

Sogar noch weit eher als im Fall unserer o.g. Analyse zu DELIVERY HERO, und gerade auch, da Nel ASA überdies nun auch nicht den geringsten quantitativen Ausblick auf 2022 abgab, sehen wir daher bei Fortsetzung ihres ständigen „Projektausweitungs-Trips“ ohne scheinbar das geringste Kostenbewusstsein wie auch angesichts ihrer genauso signalgebenden und stabil abwärts gerichteten IPOs von EVERFUEL und HYON das große Risiko, dass sich der Gesamtkonzern verlustseitig künftig als ein einziges Fass ohne Boden bzw. nahezu als eine reine Geldvernichtungsmaschine erweisen könnte, falls nicht der neue CEO Volldal dem Konzern künftig schnellstmöglich eine radikale Profitabilitätskur verordnen sollte (wozu nach unserem Dafürhalten praktisch jedes Einzelprojekt künftig rigoros auf einen zwar sachgerecht LANGFRISTIGEN, dabei aber dennoch jederzeit OBJEKTIVEN und KONSERVATIVEN Kosten-Ertrags-Prüfstand zu stellen und bei einer Unterschreitung einer entsprechend kalkulierten Mindest-Profitabilitätsanforderungsschwelle konsequent zu beenden wäre). Im Analystenkonsens wird derzeit eine Nettogewinnerzielung von Nel ASA frühestens ab dem Jahr 2025 erwartet.

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Werbebanner ISIN-WatchlistNachdem am 24.01 die Aktie außerdem nun auch noch aus ihrem letzten relevanten Konsolidierungsdreieck unter Unterschreitung von 13 NOK entscheidend nach unten ausbrach, revidieren wir daher jetzt unser am 10.01. allein charttechnisch noch mild formuliertes Votum „Kein Kauf“ und stufen die Aktie nach der heuten Ergebnispräsentation nunmehr rundweg auf „VERKAUFEN“ ab, verbunden mit einem künftig durchaus denkbaren Kursziel von nur noch ca. 8,50 NOK (= Unterstützung des allerflachsten Aufwärtstrends mit Beginn ab Anfang April 2018).

 

Chart: NEL ASA (in Norwegischen Kronen)

 

Nel ASA auf TradingView

 

17.02.2022 - Matthias Reiner

Unterschrift - Matthias Reiner

 

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