Am Dienstag entscheidet sich, ob Nestlé die Wassermarke Perrier aus dem Verkauf nehmen muss
Nestlé schlägt sich weiterhin mit massiven Vorwürfen herum
Perrier gehört zu den bekanntesten Marken Frankreichs. Über 90 Prozent der Bevölkerung kennen das grüne Logo und das Mineralwasser verfügte in der Vergangenheit über einen tadellosen Ruf. Gekennzeichnet wird es als „Natürliches Mineralwasser“, was gemeinhin als gesund gilt und wofür die Kundschaft auch schon mal etwas tiefer in die Tasche greift. Allerdings scheint der Mutterkonzern Nestlé ein wenig getrickst zu haben, um die Produktqualität sicherstellen zu können.
Schon seit einer ganzen Weile befassen dich Verbraucherschützer der Organisation UFC-Que Choisir mit dem Thema Perrier. Am Dienstag steht in Paris nun eine wichtige Entscheidung an, wie im „Handelsblatt“ zu lesen ist. Es wird darum gehen, ob Nestlé (CH0038863350) Perrier überhaupt weiterhin anbieten kann oder endgültig aus dem Verkauf nehmen muss. Zuvor erstattete auch Foodwatch bereits Anzeige und der französische Sitz von Nestlé wurde durch Beamte durchsucht.
Zurück gehen die Vorwürfe auf das Jahr 2024. In einer routinemäßigen Untersuchung wurden nach starken Regenfällen Verunreinigungen in einem Brunnen entdeckt, zum Teil auch Fäkalkeime. Im Anschluss wurden Millionen Flaschen von Perrier vorsorglich zerstört. Das ist an sich noch nichts allzu Ungewöhnliches. Um die Produktqualität sicherzustellen, finden regelmäßig Prüfungen statt, die auch schon mal Probleme aufdecken können. Dies liegt letztlich im Interesse des Verbrauchers.
Nestlé: Ein langjähriges Problem?
Ein Untersuchungsausschuss des französischen Senats deckte jedoch auf, dass Nestlé wohl schon sehr viel länger mit Verunreinigungen bei Perrier zu kämpfen hat und solche bereits häufiger festgestellt werden konnten. Im Frühjahr gestand Nestlé angesichts des steigenden Drucks ein, das Wasser mit unzulässigen Verfahren gereinigt zu haben. Eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher habe nie bestanden. Das ist ein Stück weit erfreuliches. Nur hätte sich Perrier eben nicht länger „Natürliches Mineralwasser“ nennen dürfen.
Stattgefunden hat mindestens eine Verbrauchertäuschung im großen Stil. Dass Franzosen zuweilen deutlich über 5 Euro für eine Flasche Perrier in einer Gaststätte hinlegen, wäre ohne die Auszeichnung als Natürliches Mineralwasser kaum denkbar. Nun werden die Gerichte entscheiden, ob der Verkauf noch weitergehen kann. Die Angelegenheit nähert sich ihrem vorläufigen Höhepunkt und die Marke Perrier könnte weiteren Schaden nehmen. Nestlé allerdings bestreitet, dass sich die Angelegenheit nennenswert auf Verkaufszahlen ausgewirkt habe.
Ohnehin würde Nestlé die Causa Perrier wohl am liebsten einfach verschwinden lassen. Das Geschäft mit Wassern steht ohnehin zur Disposition und wurde im Januar 2025 abgespalten. Egal kann es den Schweizern dennoch nicht sein, was mit der französischen Marke passiert. Denn sollte jene nachhaltigen Schaden erleiden, würde es den Wert der Wasser-Tochter nicht eben steigen lassen. Daher blicken wahrscheinlich auch die Anleger etwas ängstlich auf die neue Woche.
Auf der Verliererseite
Die Verlierer des Ganzen stehen ein Stück weit bereits fest. Es sind vor allem die rund 1.000 Angestellten in Vergèze in Südfrankreich, die zu leiden haben. Ein Verkaufsstopp würde ein Fragezeichen über deren Arbeitsplätze setzen. Auch Absatzrückgänge oder ein Verkauf der Wassersparte könnte für Sparmaßnahmen sorgen. Zumindest bisher stehen auch die Anleger auf der Verliererseite. Obschon die Nestlé-Aktie sich zuletzt wieder etwas erholen konnte, notierte sie zu Handelsschluss am Freitag mit 86,97 Euro noch 7,1 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn.
Die Verbraucher konnten bislang ebenfalls nichts gewinnen. Jene haben allem Anschein nach über Jahre hinweg viel Geld für etwas bezahlt, was seiner Bezeichnung gar nicht mehr gerecht wurde, und dies mutmaßlich sogar unter einem gemeinsam mit einigen Politikern aufgespannten Deckmantel. Was auch immer am morgigen Dienstag entschieden werden mag: es dürfte Strahlwirkung weit über Perrier und Nestlé hinaus haben.
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17.11.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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