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SAP: Sehr gute vorläufige Zahlen 2. Quartal

Deutlicher Geschäftsauftrieb im 2. Quartal

 

Der mit einer Aktienmarktkapitalisierung von 153 Mrd. EUR mittlerweile schwergewichtigste DAX-Konzern und weltführende Unternehmens- und Cloud Software-Entwickler SAP (DE0007164600) legte heute vorläufige Ergebniszahlen zum 2. Quartal vor, die exzellent ausfielen und die vorherigen Analystenschätzungen durchweg übertrafen. 

Auch die nach dem Ergebnis des 1. Quartals abgesenkten Ganzjahresprognosen für 2020, die für das laufende Halbjahr implizit die Annahme einer weiteren moderaten Geschäftsbelebung gegenüber dem 2. Quartal beinhalten, bestätigte der Konzern. 

Die Aktie reagiert hierauf aktuell gegenüber dem Tradegate-Vortagesschluss um 22 Uhr mit einem Kurssprung um ca. + 6 % auf ein neues Rekordhoch von 137,50 EUR, womit wir uns in der Aufnahme der Aktie in unsere 2 Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV wie auch VERMÖGENSSTREUUNG ab dem 08.06. (seitheriger Kursgewinn von + 14,1 %) vollauf bestätigt sehen. 

 

Chart: SAP gegenüber MSCI WORLD (Euro) - Index 

 

Chart: SAP gegen MSCI World-Index

 

Vorläufiges Ergebnis 2. Quartal 2020 

 

Die heute vorgelegten vorläufigen Zahlen von SAP zum 2. Quartal fielen exzellent aus und übertrafen die vorherigen Analystenschätzungen klar. 

So stieg der Konzernumsatz im abgelaufenen Quartal um + 2 % auf 6,74 Mrd. Euro, während hier die Analysten im Konsens nur von einer Umsatzerzielung von rd. 6,60 Mrd. Euro ausgegangen waren. 

Einmal mehr ragten die Erlöse aus dem Absatz von Cloud-Software mit einem Zuwachs um + 20 % auf 2,04 Mrd. Euro als der Pfeiler des Konzernumsatzanstiegs heraus. Erfreulicherweise stieg infolge der von SAP angeführten Faktoren der Nachfrage nach digitalen Logistikketten, E-Commerce, der Cloud-Plattform von SAP wie auch den Marktforschungsaktivitäten der Tochter Qualtrics ebenso der aktuelle Auftragsbestand von Cloud-Softwarelösungen erfreulich stark um 20 % an. 

Die sehr robuste Auftragslage im Cloud-Bereich lässt daher in diesem Bereich bei SAP auch in den kommenden Quartalen eine hoch solide Umsatzentwicklung erwarten, womit sich der Konzern aktuell auch klar von den zuletzt im Mai abgegebenen Geschäftsprognosen seines schärfsten US-Konkurrenten Oracle abhebt. 

Hingegen brachen die Lizenzerlöse aus den klassischen, weit konjunktursensibleren Unternehmenssoftware-Verkäufen gegenüber dem Vorjahr im 2. Quartal um – 18 % ein, fielen dabei aber jedoch immer noch höher aus, als von Analysten zunächst befürchtet, und verzeichneten darüber hinaus infolge der mittlerweile weitgehend aufgehobenen Lockdown-Einschränkungen in Asien eine deutlich anziehende Geschäftsentwicklung gegenüber dem Vorquartal. 

Noch stärker beeindruckten die Zahlen des 2. Quartals von SAP jedoch auf der Ebene der Gewinne. Der bereinigte operative Betriebsgewinn (EBIT) legte sogar um + 8 % auf 1,96 Mrd. Euro zu, während die Analysten hier zuvor nur ca. 1,8 Mrd. Euro erwartet hatten. Somit schnellte auch die entsprechende operative EBIT-Marge gleich um 1,8 %-Punkte auf 29,1 % nach oben. Auslöser dieses deutlich überproportionalen EBIT-Anstiegs war dabei nicht nur die wachsende Margenstärke der hoch integrierten und zunehmend abonnementsbasierten Cloud-Lösungen, sondern auch, dass SAP nach eigenen Angaben zurückliegend bereits auf die ersten Anzeichen der Corona-Ausweitung mit konsequenten Einstellungsstopps sowie der Streichung von Geschäftsreisen reagierte. 

Infolge zusätzlich gesunkener Zinsbelastungen schoss der Gewinn vor Steuern (EBT) des Konzerns im 2. Quartal gegenüber dem Vorjahr gar um + 55 % auf 1,28 Mrd. Euro hoch (Analysten-Konsens: nur rd. 1,18 Mrd. Euro), so dass sich die EBT-Marge gar gleich um 6,5 %-Punkte auf nunmehr 19,0 % ausweitete. 

Das endgültige Ergebnis des 2. Quartals inkl. Bekanntgabe des Konzern-Nettogewinns wird SAP am 27.07. vorlegen. 

 

Ergebnisprognosen Gesamtjahr 2020 

 

Seine nach den Zahlen zum 1. Quartal absenkten Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr 2020 behält der Konzern unter nunmehr alleiniger Leitung seines Vorstandschefs Christian Klein vorerst unverändert bei.  

Diese Eckdaten beinhalten dabei implizit die Erwartungen einer weiteren Geschäftsbelebung im nun laufenden Halbjahr, sind aber aus unserer Sicht nach dem stolzen 32 %-igen operativen EBIT-Gewinnanstieg im 2. Quartal gegenüber dem 1. Quartal 2020 (gepaart mit einer Umsatzausweitung um + 3,3 %) aber gerade auf der Gewinnseite dennoch als betont konservativ anzusehen. 

So peilt der Konzernvorstand derzeit für das Gesamtjahr 2020 eine Umsatzausweitung von lediglich ca. 1 – 3 % an, obwohl der gleichzeitige Anstieg der Cloud-Erlöse auf rd. 18 – 24 % taxiert wird. Implizit unterstellt damit der Konzernvorstand also eine nur äußerst moderate weitere Umsatzbelebung der Software-Lizenzerlöse im laufenden Halbjahr, wozu wir jedoch eine deutlich positivere Position vertreten. 

Die operative EBIT-Gewinnentwicklung für 2020 taxiert der Vorstand derzeit gegenüber dem Vorjahr in einer Spanne von – 1 % bis + 6 %, was impliziert, dass hiernach der gesamte operative EBIT-Betriebsgewinn des 2. Halbjahres bestenfalls um knapp 50 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 zulegen würde. Diese Einschätzung des Vorstands halten wir jedoch unter dem Aspekt der derzeit global fortgesetzten Aufhebungen diverser Wirtschaftseinschränkungen (in Asien sogar nahezu völlig) sowie der darauf bereits in den letzten Wochen einsetzenden deutlichen Erholung vieler Konjunkturdaten für sehr zurückhaltend und dürfte letzten Endes problemlos zu übertreffen sein. 

 

Aktienbewertung und Anlageurteil 

 

Nach den heutigen sehr guten Zahlen des 2. Quartals befindet sich SAP nach unserer Einschätzung auf bestem Wege, trotz der aktuellen Corona-Krise ein im historischen Unternehmensvergleich zumindest solides Geschäftsjahr 2020 hinzulegen, bei dem wir im Umsatz eine mittlere, im Betriebsgewinn jedoch eher eine hoch einstellige prozentuale Ausweitung erwarten. 

Das Cloud-Geschäft von SAP erfreut sich derzeit eines sehr robusten Wachstums (mit dem aktuell Oracle auch überflügelt wird) und dürfte im 2. Halbjahr zudem auch von konjunkturbedingt weiter deutlich anziehenden Software-Lizenzumsätzen begleitet werden. 

In der langfristigen Betrachtung von Ende 2019 - Ende 2022 erwarten die Analysten derzeit im Konsens eine Umsatzausweitung um ca. + 19 %, gepaart mit einem erheblich überproportionalen, cloud-getriebenen Nettogewinnanstieg um nicht weniger als 85 % ! 

Basierend auf diesen Langfristprojektionen, die wir durchaus für realisierbar halten und zudem voll auch im Zielkorridor der bis 2023 von SAP anvisierten operativen jährlichen EBIT-Gewinnsteigerung (incl. dem jetzigen Corona-Effekt) von + 7,5 % - + 10 % p.a. liegen, würde sich nach aktuellem Analystenkonsens per Ende 2022 derzeit das Aktien-KGV von SAP nur noch gerade einmal auf 24 belaufen. 

Mit diesen Bewertungskonstellationen halten wir die SAP-Aktie gemessen an den langfristig hoch intakten Gewinnperspektiven des Konzerns aktuell für unterbewertet und empfehlen den Titel selbst auch konservativen Anlegern weiterhin zum Kauf. Die Bestandspositionen in unseren Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV und VERMÖGENSSTREUUNG halten wir selbstverständlich unverändert aufrecht.

 

09.07.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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