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BÖRSE TO GO - mit Warren Buffett, Deutsche Lufthansa und dem Autogipfel

Schwacher Wochenauftakt

 

Guten Morgen!

Warren Buffett dominierte die Schlagzeilen am Wochenende. Auf der virtuellen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway ließ der Star-Investor einige schwer verdauliche Nachrichten fallen. So verzeichnete die Gesellschaft im 1. Quartal einen Verlust von 55,62 Mrd. Dollar in ihrem Investmentportfolio. Die Zahl enthält sowohl realisierte als auch unrealisierte Verluste.

Was die Fans des Buy-and-Hold Investors überraschte, war die Ankündigung, dass alle Beteiligungen an den vier größten amerikanischen Fluggesellschaften komplett verkauft wurden, trotz der hohen Kursverluste. Buffett erwartet dementsprechend ein verlustreiches Chapter-11 Verfahren wie seinerzeit beispielsweise bei General Motors. Die größte Überraschung war jedoch für viele, dass Buffett trotz der breiten Kursverluste in den letzten zwei Monaten an der Wall Street und einer prall gefüllten Kriegskasse von mehr als 133 Mrd. Dollar keine neuen Investmentopportunitäten gesehen hat.

In Deutschland geht es diese Woche um die Zukunft der Lufthansa. Konzernchef Spohr muss am Dienstag auf der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen. Im Mittelpunkt werden nicht die Verluste des 1. Quartals stehen, sondern die Frage, wie und mit wessen Hilfe der Konzern vor der Illiquidität gerettet werden soll. Für die Altaktionäre ist es die Wahl der Qual: Insolvenzverfahren mit dem Ziel einer Sanierung oder (Teil-)Verstaatlichung. Beide Wege werden zu einer umfassenden Verwässerung der Aktionärsanteile führen. Die einzige Frage ist nur: Welcher Weg bietet mehr Chancen darauf, möglichst bald einen Teil der Verluste wieder wettzumachen? Die Aktie schloss am Donnerstag im Xetra-Handel bei 8,158 Euro (-3,80%).

Die Frühindikationen für Frankfurt sind sehr schwach. Im späten asiatischen Börsenhandel wird der DAX Futures mit einem Minus von 2,5% gehandelt, was bereits eine Erholung zu den Tiefs am Beginn des Handels darstellt, als die Verluste bis zu 3,6% erreichten. Reminder: Der DAX-Future wurde am Freitag wegen des Feiertages nicht quotiert.

London macht auf den ersten Blick einen besseren Eindruck. Der FTSE 100 Futures liegt im späten asiatischen Handel 0,64% im Minus, verzeichnet jedoch analog zum DAX Futures Verluste von bis zu -1,49% im Sitzungsverlauf. Im Gegensatz zum DAX wurde der FTSE 100 Futures aber am Freitag gehandelt. Zieht man den Vergleich zum Schluss des Handels am Donnerstag notiert London frühbörslich 3,2% im Minus.

Der Autogipfel weckt neue Hoffnungen. Die Erwartungen der gesamten Automobilbranche für Dienstag sind hoch. Eine schnelle Finanzspritze in Form einer staatlichen Kaufprämie soll her und das nicht nur für Elektroautos, sondern für die ganze Produktpalette. Kanzlerin Merkel hat der Branche, die bis zu einem Drittel des deutschen Bruttoinlandsprodukts bewegen kann, im Vorfeld bereits eine Absage erteilt. Es werde ein Paket für die gesamte deutsche Industrie geben und keine Sonderlösung für die Automobilbranche.

In der Zwischenzeit zieht der weitgehende Produktionsstopp im Land immer größere Kreise bei den Produzenten und Zulieferern. Gerade Letztere arbeiten häufig mit geringen Reserven und Puffern in der Bilanz. Eine längere Durststrecke kann dann im Zweifel das Aus bedeuten, wie der Fall Veritas zeigt.

Für die Automobilhersteller zeichnet sich ein schwacher Börsenstart ab, nachdem die Titel bereits am Donnerstag deutlich im Minus geschlossen hatten. Die Volkswagen Vorzüge gingen sogar mit einem Verlust von 3,83% aus dem Donnerstagshandel. Für die drei größten deutschen Autohersteller gilt jedoch auf der anderen Seite, dass die Aktien am Mittwoch bzw. Donnerstag neue Intraday-Höchstkurse seit dem Jahrestief (19.03.2020) erreichten. Für wichtige Zulieferer wie Conti gilt das Gesagte analog. Die Aktie beendete den Xetra-Handel am Donnerstag mit einem Minus von 3,98% und wird auch heute früh erneut tiefer gesehen.

Auch ThyssenKrupp muss eine bittere Pille schlucken. Viele Jahre hatte der Konzern an dem Verkauf der erfolgreichen Fahrstuhlsparte gebastelt, nur um jetzt einräumen zu müssen, dass ein Großteil der Verkaufserlöse eingesetzt werden muss, um die Corona-Krise zu überstehen. Damit steht ThyssenKrupp immer noch besser da als viele andere deutsche Industriekonzerne, aber Freude kommt bei den Aktionären deswegen sicherlich nicht auf. Der Aktienkurs hat sich bis Ende der vergangenen Woche vom Jahrestief (3,28 Euro) um gut 97% erholt, liegt aber im Jahresvergleich immer noch 50% im Minus.

Der Montagvormittag wird von zwei wichtigen Ereignissen bestimmt. Zum einen werden die Neuzulassungen von PKWs in Frankreich im Monat April gegen 09:00 Uhr bekannt gegeben. Im Vormonat waren die Zulassungszahlen um 72,2% im Jahresvergleich eingebrochen. Die Neuzulassungen sind eine Indikation für das aktuelle Geschäft der europäischen Automobilhersteller.

Zum anderen erwarten wir zwischen 09:30 und 10:00 Uhr die jüngsten Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes für die Schweiz, Italien, Frankreich, Deutschland und die Europäische Union. Die Indizes sind Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität im verarbeitenden Gewerbe. Die Börse wird weniger auf die absoluten Zahlen, als vielmehr auf das Momentum der Indexbewegung schauen.

Am Nachmittag erwarten wir um 16:00 Uhr die Auftragslage der US-Industrie im Monat April.  Darin enthalten ist unter anderem wie viele neue Aufträge eingingen, wie viele Aufträge unbearbeitet blieben und wie viele Aufträge abgeschlossen wurden. Es wird keine Veränderung im Vergleich zum Monat März erwartet.

 

04.05.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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