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BÖRSE TO GO - Berkshire Hathaway, Commerzbank und Wirecard

Starker Wochenauftakt in Asien

 

Die Börse startet stark bullish in die neue Woche. Nach dem langen Wochenende in den USA klettern die europäischen und amerikanischen Futures heute früh kräftig ins Plus. Der DAX-Future notiert zum Ende des asiatischen Handels bereits mehr als 1,6 % im Plus knapp unter 12.800 Punkten. Der Dow-Future liegt mehr als 1,3 % im Plus bei mehr als 26.100 Punkten. 

Die chinesischen Benchmarks explodieren in der Präsenzbörse regelrecht. Keine Benchmark liegt weniger als 3 % im Plus. Der Dow Jones Shanghai Index und der Shanghai Composite Index liegen sogar beide zum Ende des Handels zeitweise mehr als 5 % im Plus. Die asiatischen Aktien steigen damit auf ein Viermonatshoch. 

 

SSE Composite Index

 

Commerzbank ist führungslos

 

Völlig überraschend tritt die gesamte Spitze der Commerzbank zurück. Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann tritt per sofort zurück und Vorstandschef Martin Zielke hat seinen Rücktritt angekündigt. Die beiden Herren standen in der Commerzbank für einen gemächlichen Wandel der Strukturen und vergleichsweise ambitionslose Ziele, wofür sie intern und öffentlich vom Großinvestor Cerberus kritisiert worden sind. Bis zum Wochenende hatte die Commerzbank-Spitze jedoch die Unterstützung der Bundesregierung, die mit 15 % am Kapital der Bank beteiligt ist. Diese wurde nun völlig überraschend entzogen. 

Wer auch immer das Vakuum füllt, wird eine deutlich härtere Gangart einschlagen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die neue Commerzbank-Spitze ebenso gemächlich vorgehen wird, was im Umkehrschluss bedeutet, dass auf die Bank und ihre Beschäftigten weitere Entlassungswellen und Filialschließungen zukommen werden.

 

VW: Emden wird elektrisch

 

Volkswagen macht in Emden Nägel mit Köpfen. Das Werk produziert traditionell den Passat für die Gruppe, was sich in den kommenden Jahren zugunsten der Produktion von reinen Elektroautos ändern soll. Geplant wird eine 2-jährige Investitionsphase, um die Fertigung für Elektroautos umzubauen und zu erweitern. Volkswagen geht den Umbau aber schrittweise an und plant ab 2022, die eine Hälfte weiterhin den Passat fertigen zu lassen und die andere Hälfte der Produktionskapazitäten für Elektroautos zu reservieren. Im finalen Ausbau soll der Passat dann Emden ganz verlassen und die Produktion sich vollständig auf Elektroautos konzentrieren. 

Gebaut werden soll der neue elektrische SUV. Vom sogenannten ID4 erhofft sich Volkswagen einen großen Erfolg. Noch größer als mit dem elektrischen Golf. Der ID4 soll daher auch nicht nur in Emden, sondern ebenfalls in Amerika und China gebaut werden. Über den neuen Produktionsstandort für den Passat ist noch keine Entscheidung gefällt worden. Ursprünglich war ein neuer Produktionsstandort in der Türkei geplant, doch Wolfsburg kippte den Beschluss vor wenigen Tagen überraschend. Im Gespräch ist jetzt ein Werk in der Slowakei. 

 

Wirecard: Kerngeschäft seit Jahren defizitär

 

Laut der „Financial Times“ existiert ein vertraulicher Anhang für den Sonderprüfungsbericht von KPMG. Daraus geht hervor, dass sich das Kerngeschäft von Wirecard in Europa und den USA weit schwächer entwickelt hat, als von EY testiert. So soll Wirecard im Jahr 2018, als man mit einer Marktkapitalisierung von 24 Mrd. Euro in den DAX aufgenommen wurde, im Geschäft außerhalb Asiens einen operativen Verlust von 74 Mio. Euro eingefahren haben, nach einem operativen Verlust von 3 Mio. Euro im Vorjahr. Dass Wirecard einen Gewinn für diese Jahre auswies, lag nur an den Geschäften in Asien, die scheinbar größtenteils frei erfunden waren. KPMG hatte bei der Veröffentlichung des Sonderprüfungsberichts den vertraulichen Teil nicht beigefügt.

 

Buffett baut Pipelinegeschäft aus

 

Die Übernahme der Erdgas-Pipelines von Dominion Energy hätte kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen können. Der Einbruch der Energiepreise im März und April hatte viele Unternehmen in dem Sektor in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Noch dazu sank die Nachfrage massiv, was das Transportgeschäft unter Druck gesetzt hatte. Ein Indiz dafür, wie schwach Dominion Energy aufgestellt ist, zeigt sich in der Aufteilung des Kaufpreises. Berkshire Hathaway wird insgesamt 9,7 Mrd. Dollar zahlen, aber nur 4 Mrd. Dollar in bar. Der Rest resultiert aus der Übernahme von Schulden. Ein guter Deal, denn Berkshire Hathaways Bonität ist besser als die von Dominion, womit die Zinslast bei einer Refinanzierung reduziert werden kann.

Berkshire Hathaway fokussiert sich im Energiebereich bereits seit einiger Zeit auf den Transport von Energie, insbesondere von Erdgas. Schon vor dem Deal vom Wochenende besaß die Gesellschaft 8 % der Erdgas-Transportkapazitäten im amerikanischen Inland. Winkt der Regulierer den Kauf durch, springt der Marktanteil auf 18 %. Ebenfalls von Bedeutung: Im Deal ist eine 25%-Beteiligung an Cove Point LNG in Maryland enthalten. Cove Point ist einer von nur sechs amerikanischen Exporthäfen für flüssiges Erdgas. Die B-Aktien von Berkshire Hathaway schlossen am Freitag vor Bekanntgabe des Deals bei 178,83 Dollar. 

 

Starke Erholung in Deutschland erwartet

 

Zum Börsenstart in Europa erwarten wir um 08:00 Uhr die Entwicklung der Auftragseingänge für die deutsche Industrie im Monat Mai. Nach einem Einbruch um -25,8 % im April wird für den Mai mit einem starken Anstieg um 15,0 % gerechnet. Um 09:30 Uhr bekommen wir dann noch den Einkaufsmanagerindex für den deutschen Bau. Der Index konnte sich im Mai wieder auf 40,1 Punkte erholen. Für den Monat Juni liegt keine Prognose vor. 

 

06.07.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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