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Daimler legt sehr gute Zahlen vor

Stuttgart muss sich neu erfinden

 

Daimler befindet sich in einer langfristigen Transformation. Das ist die wichtigste Aussage, die wir heute im Zwischenbericht zum 3. Quartal finden. Während sich die Börse in den vergangenen sechs bis sieben Monaten vor allem auf die Taktiken konzentrierte, die Daimler anwenden musste, um das Geschäft nach der ersten Corona-Welle wieder zu normalisieren, spielt sich im Hintergrund eine gewaltige Veränderung im Konzern ab, die bedeutender für die zukünftigen Umsatz- und Gewinnmargen ist als jeder andere Katalysator. 

Stuttgart muss die heutige Reputation von Daimler in die neue Welt der Smart Cars transportieren. Dies muss gelingen, um langfristig nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Das mag aus heutiger Sicht weit hergeholt klingen, aber das dachte Nokia 2007 auch, als man das Ziel von 1 Milliarde verkauften Handys erreichte. Und dann kam das iPhone. Daimler steht im Markt für Qualität und Luxus. Man verkauft vergleichsweise wenige Fahrzeuge, dafür aber mit hohen Margen, weil kaum ein anderer so viele Vorzüge bieten kann wie Stuttgart. Doch:

 

Daimler muss sich neu erfinden

 

Das Kundeninteresse wandelt sich rapide. Nicht, weil die Kunden dies gefordert haben, sondern weil ein neues Angebot die Nachfrage weckt. Tesla verführt die Kunden mit ihrer Software, nicht der Hardware. Die außerordentliche hohe Zufriedenheit mit den Tesla-Produkten und eine fast sklavische Gefolgschaft resultiert nicht aus der hohen Ingenieurskunst, sondern aus dem Zusatznutzen, den die Software-Programmierer liefern. Daimler hat in diesem Punkt aufgeholt, spielt aber immer noch in der Kreisliga im Vergleich zu Tesla. Und wenn es Tesla nun auch noch schafft - und das wird man - die Verarbeitungsqualität auf „deutsches Niveau“ zu bringen, dann wird den Absatz nichts mehr halten. 

Das ist die Transformation, die entscheidend ist und die gelingen muss. Gelungen ist kurzfristig auf jeden Fall das 3. Quartal. Wenn man bedenkt, in welchem tiefen Loch die Automobilhersteller vor sechs Monaten steckten, dann sind die heute vorgelegten Zahlen wirklich beeindruckend und einen kleinen Applaus wert. 

 

Q3 ist goldgerändert

 

Beim Absatz und Umsatz schwächelte Daimler. Während man im Vorjahresquartal 839.300 Fahrzeuge absetzen konnte, waren es in den letzten drei Monaten „nur“ 772.700 Fahrzeuge (-8 %). Der Umsatz sank um 3 Mrd. Euro (-7 %) auf 40,3 Mrd. Euro. Und das waren auch schon die „Problemzonen“ des Berichts. Weder überraschend noch negativ, denn man muss hier einberechnen, von woher Daimler kommt. 

Die restlichen Kennzahlen sind goldgerändert. Wie es im Übrigen die Börse erwartet hat. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) erreichte 3,1 Mrd. Euro (+15 %) und der Überschuss belief sich auf 2,2 Mrd. Euro (+22 %). Noch beeindruckender waren die „internen“ Kennzahlen. So stieg der freie Cash-Flow des Industriegeschäfts auf 5,1 Mrd. Euro (Q3 19: 2,8 Mrd. Euro) und die vorhandene Netto-Liquidität lag zum 30. September bei 13,1 Mrd. Euro (Q3 19: 9,5 Mrd. Euro). Von „Krise“ kann also keine Rede sein. 

 

Daimler AG

 

Im Ergebnis: Die Aktien sind sehr gut gelaufen seit den Tiefs im März. Die Marktkapitalisierung liegt damit nicht nur auf dem Niveau von vor dem Crash, sondern auf dem höchsten Stand seit Mitte Januar 2020. Ein Discount ist also nicht mehr enthalten, womit die Erholungsrallye abgeschlossen ist und die Börse sich wieder dem „business as usual“ zuwenden wird. Sprich: Ab hier muss Daimler Wachstum liefern, damit die Rallye weiterläuft. (Daimler AG, DAI, ISIN DE0007100000, WKN 710000)

 

23.10.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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