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Google kommt mit blauem Auge davon

Aktie reagiert mit Erleichterung

 

Die drohende Kartellrechtsklage gegen Google zählte in den letzten Monaten zu den größten Belastungen für die Aktien. Während sich viele Tech-Konkurrenten seit den Tiefstkursen im März an der Wall Street mehr als verdoppelt haben, stiegen die Google-Aktien gerade einmal mehr als 50 % an. Die Anleger setzten zwar weiterhin auf die hohe Profitabilität des Unternehmens, kauften aber mit angezogener Handbremse.

Es gibt wenige Punkte, wo sich der Kongress einig ist. Doch darüber, dass das Silicon Valley zu viel Macht bekommen hat, darüber sind sich in Washington alle einig. Uneinig ist man sich, wie stark man die erfolgreichen Technologiekonzerne in die Schranken weisen soll, denn am Ende sind sie ein ausgesprochen wichtiger Teil der US-Wirtschaft und ein goldgerändertes Aushängeschild obendrein. 

 

Demokraten und Republikaner haben andere Ziele

 

Die Demokraten haben ambitionierte Ziele als die Republikaner. Die Sorgen der Republikaner fokussieren sich im Wesentlichen darauf, dass ihre politische Agenda im hochdemokratischen Silicon Valley nicht ausreichend gewürdigt wird bzw. der ausdrückliche Vorwurf lautet, dass die Algorithmen linke Themen bevorzugen und somit die Diskussionen der Konservativen im Internet nicht ausreichend gefunden würden. Ohne Zweifel steht fest:

 

Google Class A

 

Google entscheidet, was im Internet gefunden wird und was nicht. Etwas mehr als 90 % aller Suchanfragen im Internet werden von Google bearbeitet. Der kleine Rest teilt sich auf eine Handvoll von wenig bedeutenden Suchmaschinen auf. Somit ist Google ohne Zweifel ein Monopol. Ein organisch gewachsenes Monopol zu sein ist per se nicht strafbar in den USA. Scharf kontrolliert wird dagegen, wenn die Marktmacht missbraucht wird, oder Unternehmen versuchen, gezielt ein Monopol zu bilden. 

 

Google ist ein Monopol

 

Die Sorgen der Demokraten gehen in eine andere Richtung als die der Republikaner. Ihnen geht es um den Punkt des Missbrauchs der Macht. Doch was kann genau missbraucht werden, wenn man im Internet sucht? Das Argument von Google ist, dass die Verbraucher, die in den USA einen sehr hohen Schutz genießen, nicht geschädigt werden. Schließlich sei die Benutzung von Google kostenlos. Das ist jedoch nicht die Wahrheit. 

Grundsätzlich gilt immer das Motto: Wenn es umsonst ist, ist der Benutzer das Produkt. Das trifft auch in diesem Fall zu, denn die Kundschaft von Google ist die Werbebranche. Um bei den Google-Suchen weit oben platziert und gefunden zu werden, müssen die Unternehmen sich dem von Google gesteuerten System aus Angebot und Nachfrage unterwerfen. Besonders häufig nachgefragte Suchwörter müssen daher in der Regel wesentlich teurer bezahlt werden als selten angefragte. Gleichzeitig sind die Preise nicht starr, sondern hochdynamisch und werden zeitnah angepasst. Offen bleibt, ob die Preisfindung fair ist. 

Verkauft wird obendrein das Profil der prospektiven Kunden / Interessenten. Die Kunden von Google bekommen eine sehr genaue Darstellung, wer sich für ihre Produkte interessiert. Die Details sind so umfangreich, dass sich die Kundenprofile bei Streifzügen wiedererkennen lassen. Das Profil ist ein digitaler Fingerabdruck geworden. An diesen Punkt wollen die Demokraten heran. 

Die aktuelle Kartellrechtsklage stammt jedoch aus dem Justizministerium von Donald Trump. Bill Barr, der amtierende Justizminister, ist ein strammer Republikaner, der kein Interesse an den Befindlichkeiten der Demokraten hat. Entsprechend fiel die Kartellrechtsklage gegen Google so zahm aus, dass man fast von einer Scheinklage reden möchte. Barr hat die Klage auf einen kleinen Nebenaspekt von Googles Geschäft gelenkt, wo es um die finanziellen Abkommen zwischen Google und einigen „Zulieferern“ wie Apple und Samsung geht. Um sicherzustellen, dass die Anbieter von Smart Phones die Suchfunktion ihrer Browser auf Google voreinstellen, wurden entsprechende Verträge abgeschlossen, die Milliarden US-Dollar umfassen. Das ist weder neu noch wirbelt es viel Staub auf.

Die Klage ist so dünn, dass am Ende allenfalls eine Strafzahlung dabei herauskommt. Von einer Zerschlagung von Google, wie es in Washington ab und an gefordert wird, ist das US-Justizministerium unter Trump weit entfernt. Selbst eine Milliarden-Strafe wäre kein Thema für Google und schon gar nicht für die Wall Street. Das Unternehmen verdient netto im Jahr mehr als 30 Mrd. US-Dollar und ist damit auf dieser Seite kaum angreifbar. 

 

Wall Street ist wieder bullish

 

Die Aktien haben mit großer Erleichterung auf die Klage reagiert. Die im Vorfeld eingepreisten Risikoprämien werden nun langsam herausgenommen. Noch nicht vollständig, denn ein Sieg von Joe Biden in der Präsidentschaftswahl und eine eventuelle Mehrheit im Senat würde Washington für mindestens zwei Jahre komplett in die Hände der Demokraten legen. Deren Agenda ist wie oben beschrieben wesentlich schwieriger für Google abzuwehren und birgt größere Risiken für das Kerngeschäft. Gewinnen die Demokraten, könnte die Klage in die Richtung weiterentwickelt werden, die Ende der 90er Jahr Microsoft (United States v. Microsoft Corporation, 253 F.3d 34 (D.C. Cir. 2001)) in arge Bedrängnis gebracht und das Geschäftsmodell für eine gute Dekade in eine Neuorientierung geschickt hatte.

 

21.10.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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