
Intel auf dem Boden der Tatsachen, TSMC lässt die Umsätze sprudeln, viel Vorfreude bei AMD und Nvidia bricht weiter Rekorde
Chiphersteller stehen bei den Anlegern ganz hoch im Kurs
Es sollte wohl nur eine kurze Verschnaufpause sein, welche die Aktien der großen Chipproduzenten im Frühjahr hinlegten, als die Kurse zeitweise sichtlich unter Druck gerieten. Die oft beschworene Blase ist jedoch nicht geplatzt und es werden schon wieder munter Kursrekorde aufgestellt. Der Hunger nach KI-Hardware scheint unstillbar zu sein, was in der Branche zahlreiche Highflyer hervorbringt.
Selbst die Aktie des angeschlagenen US-Chipgiganten Intel (US4581401001) blickt im laufenden Jahr auf Aufschläge von fast 19 Prozent. Vielleicht ist die Bezeichnung „Gigant“ gar nicht mehr richtig passend. Denn in internen Mitteilungen spricht Intel-CEO Lip-Bu Tan davon, dass Intel mittlerweile nicht einmal mehr in den Top 10 der Branche mitspielen würde. Damit werden dann auch die massiven Stellenstreichungen begründet, welche wohl bereits ins Rollen gekommen sind.
Vor 20 Jahren war Intel noch unangefochtener Spitzenreiter mit modernster Technologie und truamhaften Absatzzahlen. Seither sind klassische CPUs in den Hintergrund geraten, man verlor wichtige Kunden wie Apple und den KI-Trend hat das Unternehmen schlicht vollständig verschlafen. Zwar gibt es für all diese Baustellen keine schnelle Lösung. Die Anleger wissen es aber zu schätzen, dass Intel die Probleme endlich beim Namen nennt und mit Sparmaßnahmen zumindest die Kosten im Zaum zu halten gedenkt.
TSMC übertrifft die Erwartungen
Weniger Sparzwang ergibt sich bei TSMC (US8740391003), wo sogar Intel mittlerweile als Kunde auftaucht. Alle großen Chipdesigner lassen ihre modernsten Chips aktuell bei dem taiwanischen Auftragsfertiger herstellen, da es bei den kleinsten Strukturbreiten keine Konkurrenz gibt. Das kurbelt die Umsätze ordentlich an, die im vergangenen Quartal um 39 Prozent zulegen und damit die hohen Erwartungen der Analysten übertreffen konnten. Gelungen ist dieses Kunststück allerdings nur knapp.
Das scheint in den Augen der Aktionäre schon fast eine kleine Enttäuschung zu sein. Der Aktienkurs gab am Donnerstag um 0,9 Prozent bis auf 229,76 US-Dollar nach und feierte so erstmal keine neuen Höchststände. Es ist ein wenig die Schattenseite der enorm hohen Erwartungen. Dass Analystenprognosen übertroffen werden, ist bei TSMC nicht länger eine positive Überraschung. Es wird von den Anteilseignern fest erwartet. Die Messlatte dürfte weiterhin hoch liegen, was aus Anlegersicht aber allerhöchstens als Luxusproblem anzusehen ist.
AMD drückt aufs Gas
Etwas niedriger fallen die Erwartungen noch bei AMD (US0079031078) aus, was sich aber schrittweise zu ändern scheint. Seit das Unternehmen seine Neuheiten für dieses und das kommende Jahr vorgestellt hat, erlebt der Aktienkurs eine kleine Renaissance. Auch gestern ging es wieder aufwärts, und das gleich um 4,2 Prozent. AMD konnte den Märkten glaubhaft nahelegen, Nvidia in Sachen KI dicht auf den Fersen zu sein. Zumindest CEO Lisa Su glaubt fest daran, die KI-Beschleuniger des grünen Konkurrenten im nächsten Jahr übertreffen zu können.
Dass auch die Anleger Hoffnung schöpfen, zeigt der Blick auf den Aktienkurs mit Zugewinnen von 19,4 Prozent seit Jahresbeginn. 144,16 Dollar standen gestern zu Handelsschluss auf dem Ticker. Aus charttechnischer Sicht scheint damit die Trendwende perfekt zu sein und die Enttäuschungen aus dem vergangenen Jahr spielen erstmal keine Rolle. Vielleicht können die Börsianer nun auch die durchschlagenden Erfolge von AMD in Bereichen außerhalb von KI etwas besser schätzen.
Nvidia zieht davon
Was bei AMD noch Zukunftsträumerei ist, ist bei Nvidia (US67066G1040) schon längst Realität. Die KI-Chips fliegen nur so aus den Regalen und das mit Margen, von denen die Mitbewerber nicht einmal zu träumen wagen würden. Zeitweise gab es Zweifel am weiteren Wachstumspotenzial, welche aber wie weggeblasen zu sein scheinen. Der Aufwärtstrend sorgte für neue Kursrekorde am laufenden Band und am Donnerstag konnte die Bewertung nun auch auf Schlusskursbasis auf über 4 Billionen Dollar getrieben werden.
Tags zuvor wurde diese Grenze erstmals durchbrochen, allerdings nur zeitweise im frühen Handel. Nun scheinen die Bullen das Ganze noch einmal zementieren zu wollen. Seit Jahresbeginn ging es für Nvidia schon um 22,2 Prozent in Richtung Norden. Allerdings lässt das Tempo momentan etwas nach. Am Donnerstag ging die Nvidia-Aktie mit 164,10 Dollar aus dem Handel, was einen Tagesgewinn von eher überschaubaren 0,75 Prozent ergibt. Völlig abschütteln kann die Sorge vor Gewinnmitnahmen wohl nicht jeder.
Wohin geht die Reise?
Der überwältigende Optimismus im Halbleiter-Segment ist nicht unberechtigt, denn die Nachfrage übersteigt derzeit so ziemlich alle Erwartungen und mit einem Ende davon ist so bald nicht zu rechnen. Die große Frage lautet einzig, inwieweit zukünftige Erfolge nun bereits eingepreist sind und wann es die ersten Gewinnmitnahmen zu sehen geben wird. Solche müssen aber freilich noch nicht zu einem endgültigen Ende von positiven Börsentrends führen. Solange es fundamental in die richtige Richtung steht, bleiben auch bei hohen Bewertungen weitere Aufschläge kein Ding der Unmöglichkeit.
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11.07.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler
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