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Tesla erschafft virtuelle Kraftwerke

Smart Grid wird endlich smart

 

Die Presse hat es kaum wahrgenommen, aber Tesla startet die nächste Revolution. Nachdem man den Elektroautomobilmarkt im Sturm erobert hat, einen exzellent funktionierenden Batteriespeicher auf den Markt gebracht und Dachziegel mit Photovoltaiktechnik marktfähig gemacht hat, geht Tesla nun den Stromversorgermarkt an. In Großbritannien hat man ein Pilotprojekt gestartet, um ein nationales virtuelles Kraftwerk zu installieren. 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDie Idee ist so bestechend wie einfach. Tesla bietet allen an, die eine Tesla Powerwall 2 und eine Photovoltaikanlage haben, dass man die Stromkosten um bis zu 75 % senkt. Man wechselt dazu zum Vertragspartner Octopus Energy, der den Zugriff auf die Powerwall erhält und den Batteriespeicher mit denen der anderen Kunden verknüpft. Wenn die Kunden nun überschüssigen Strom produzieren, der weder sofort verbraucht wird noch in der Powerwall gespeichert werden kann, wird er in das virtuelle Netz zu einem festen Preis eingespeist. 

Tesla Kunden werden bevorzugt. Wer zusätzlich zu den Grundbedingungen noch ein Tesla Auto sein Eigen nennt, kann den überschüssigen Strom für 8 Pence / kWh ins Netz einspeisen und zum selben Preis auch Strom aus dem Netz verbrauchen. Alle anderen zahlen 11 Pence / kWh. Wenn ein Kunde soviel produziert, wie er verbraucht - unabhängig vom Zeitpunkt des Verbrauchs - sind seine laufenden Stromkosten gleich null, denn eine Grundgebühr fällt nicht an. 

Octopus Energy verwaltet alle Batteriespeicher und die Verteilung des Stroms im virtuellen Kraftwerk. Das virtuelle Kraftwerk ist zudem an den Großhandel angeschlossen, sodass Überschüsse im Netz, die selbst mit den Batteriespeichern nicht gehalten werden können, verkauft werden oder anders herum im Großhandel eingekauft wird, wenn zu wenig Strom produziert und gespeichert ist. Der Workflow kann weiter optimiert werden, indem bei antizipierten Unterdeckungen Strom im Großhandel vorher eingekauft wird, wenn er günstiger ist. 

 

Disruption bei den Versorgern

 

Der Erfolg hängt von der Software ab. Das Austarieren des Stroms im virtuellen Netz ist seit langem Standard. Spannend wird es an zwei Schnittstellen: 1) Zwischen virtuellem Netz und den Batteriespeichern der Kunden und 2) zwischen dem virtuellen Netz und dem Großhandel. An diesen Schnittstellen muss eine intelligente Software installiert werden, die den Bedarf ausgleicht. Wer eine Powerwall hat, der weiß, wie gut die Software ist, die Tesla hier einsetzt. Man kann es dem Unternehmen daher ohne Weiteres zutrauen, dass das Problem gelöst wird. 

 

Tesla Inc.

 

Elon Musk wird damit endgültig zum Schrecken der Konkurrenz. Nachdem er die Automobilbranche aufgemischt und sie als David gezwungen hat, sich zu bewegen, bekommen nun die Stromversorger Fracksausen. Einige Bemühungen gibt es bereits den Kunden intelligentere Angebote zu machen. E.ON ist hier sicherlich in Deutschland führend. Aber die Stromversorger werden nie an das Preisniveau von Teslas Stromangebot heranreichen. So wollen es auch gar nicht, denn die Marge, die Elon Musk hier wegrationalisiert, ist ihr Kerngeschäft. Die großen Stromversorger werden daher alles tun, was in ihrer Macht steht, um virtuelle Kraftwerke zu verhindern. Tesla selbst kann die Marge herzlich egal sein, denn das Angebot stärkt in erster Linie das Ökosystem des Unternehmens und fördert den Absatz der Powerwall und im Zweifel den Absatz der eigenen Solarschindel und der Elektroautos. 

Auf die Gewinn- und Verlustrechnung von Tesla wird dieses Projekt keine nennenswerte Auswirkung haben. Es geht in erster Linie darum, den Nutzen der bestehenden Produkte weiter zu erhöhen. Wenn die Einführung in Großbritannien erfolgreich ist, werden wir ein entsprechendes Angebot auch in Deutschland sehen. Schon im Sommer hatte Tesla eine Umfrage unter seinen deutschen Kunden gemacht, ob sie Strom von Tesla kaufen würden, wenn es angeboten wird. Eine Umfrage, die in Essen die Alarmglocken schrillen ließ. (Tesla Inc., TSLA, ISIN US88160R1014, WKN A1CX3T)

 

28.10.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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