Kurz vor dem Börsengang der Eissparte von Unilever kochen Reibereien um die Marke Ben & Jerry’s wieder hoch
Ben & Jerry wollen Ben & Jerry’s von Unilever zurück
Als Unilever im Jahr 2000 die schwer erfolgreiche Eismarke Ben & Jerry’s übernahm, wurde den Gründern noch versprochen, dass das Unternehmen sich auch künftig politisch sowie gesellschaftlich engagieren dürfe. Das war den Mitbegründern Ben Cohen und Jerry Greenfield sehr wichtig und das ist es auch bis heute. Doch offenbar mangelt es seit einiger Zeit an Freiheiten. Im vergangenen Jahr verklagten die beiden Unilever sogar aufgrund des Vorwurfs, dass Unilever Unterstützung für palästinensische Flüchtlinge zu unterdrücken versuche.
Wenige Wochen vor dem geplanten Börsengang der Eissparte von Unilever (GB00B10RZP78), die auf den Namen Magnum Ice Cream Company hört und auch Marken wie Langnese beinhaltet, fordern Cohen und Greenfield nun eine Abspaltung von Ben & Jerry’s. In einem offenen Brief sprechen die Mitgrüner davon, dass die bisherigen Eigner sich zu sehr von „kurzfristigen politischen Opportunitäten“ leiten ließen, was nicht zu den Werten der Eismarke passe und auch nicht zum Werbeslogan „Peace, Love and Ice Cream“.
Weiter heißt es, dass Ben & Jerry’s Verpflichtungen gegenüber Kunden und Mitarbeitern durch den Verbleib bei der künftigen Unilever-Beteiligung torpediert werde. Aktivismus sei der Kern der Markenidentität, und dies umfasse unter anderem Engagement gegen ungerechte Kriege, für die Gerechtigkeit von Minderheiten und für die Verteidigung der Demokratie. Im Kern wird darum gekämpft, dass bei Werbung und Social-Media-Auftritt kein Maulkorb mehr verhängt wird und Ben & Jerry’s dort als Marke klare Kante zeigen darf.
Unilever setzt auf höhere Margen
Eine Reaktion von Unilever auf den offenen Brief liegt bisher nicht vor. Es ist aber kaum vorstellbar, dass der Lebensmittelkonzern sich auf die Forderung einlassen wird. Schließlich soll der Börsengang hübsche Summen in die Kassen spülen. 20 Prozent des neuen Unternehmens sollen noch bei Unilever verbleiben, der Rest wird versilbert. Das soll dann auch die Marge im restlichen Konzern wieder verbessern. Die Eissparte punktete zuletzt zwar mit einem guten Wachstum, doch die Margen fallen geringer aus als in anderen Segmenten.
Ohne Ben & Jerry’s wäre die Eissparte ein gutes Stück weniger wertvoll und potenzielle Investoren wären über eine Abspaltung wohl nicht eben erfreut, auch wenn eine solche noch einmal an sich für Einnahmen sorgen könnte. Da Unilever allerdings schon bisher kein Interesse daran zeigte, die US-Marke wieder in die Eigenständigkeit zu überführen, dürfte sich an dieser Haltung auch jetzt mutmaßlich nichts geändert haben.
An der Börse gehen die Reibereien weitgehen vorbei, denn bisher gibt es keine klaren Anzeichen dafür, dass der für den November geplante Börsengang noch einmal durcheinandergewirbelt werden könnte. Die Blockadehaltung von Unilever könnte vielleicht in gewissen Kreisen zu einem Imageverlust führen. Doch in solchen Kreisen sind Lebensmittelgiganten in aller Regel ohnehin wenig beliebt. Noch dazu hat Unilever gutes Geld für Ben & Jerry’s gezahlt, was bei der Debatte um das Thema nicht vergessen werden sollte.
Unilever im Selbstfindungsprozess
Die Aktionäre interessieren sich allerdings mehr dafür, ob es Unilever gelingen wird, die Bilanzen wieder etwas aufzupolieren. Wie auch die Konkurrenz kämpft man mit hohen Kosten und einer sinkenden Ausgabenbereitschaft der Kunden. Effizienzprogramme und Maßnahmen für höhere Margen sind die logische Konsequenz daraus. Doch solange das Segment nicht an sich eine nachhaltige Erholung erlebt, bleiben zahlreiche Stolpersteine bestehen.
Die Causa Ben & Jerry’s könnte sich zu einem weiteren Stolperstein entwickeln und die Unilever-Aktie unterbrach ihre Erholung am Dienstag mit Kursverlusten von rund einem Prozent. Grundsätzlich sehen die meisten Analysten dem anstehenden Börsengang aber weiterhin positiv entgegen. Ein Stück weit könnte man sich den Reibereien dann auch schlicht entledigen. Denn erster Ansprechpartner von Ben & Jerry’s wäre dann in Zukunft Magnum.
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10.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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