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Bayer: Höchstens eine TRADINGKAUF-Spekulation wert – Pharma-News für fundamentalen Kauf unzureichend

Pharma-Expansion zwar positiv, aber auch unverzichtbar

NTG24 - Bayer: Höchstens eine TRADINGKAUF-Spekulation wert – Pharma-News für fundamentalen Kauf unzureichend

 

Nach sehr positiven Nachrichten bezüglich der weiteren Expansionsaktivitäten ihrer Pharmasparte, die der Bayer-Aktie auf Sicht eines Monats nun ein stolzes Plus von über 13 % bescherte (heutiger Tradegate-Kurs + 0,3 % auf 52,79 EUR) macht die Aktie nun wenigstens alle Anstalten, ihren im Oktober 2017 etablierten, steileren Abwärtstrend zu überwinden. Die Überwindung des Anfang April 2015 eröffneten Primär-Korrekturtrends ist damit jedoch noch immer in weiter Ferne und wäre derzeit erst ab einem Kursniveau von rd. 77 EUR geglückt.

Die jüngsten positiven Nachrichten der Pharma-Sparte, die in den ersten 9 Monaten des Vorjahres verglichen mit der etwas größeren Agrar-Division des Konzerns jedoch nur einen leicht geringeren Konzernumsatzanteil von knapp 41 % beisteuerte und auch im internationalen Pharma-Branchenvergleich ein klar unterdurchschnittliches Umsatzwachstum von + 5 % gegenüber dem Vorjahr hinlegte, bestanden zum einen in der am 10.01. verkündeten Partnerschaft unter einer Vorab-Zahlung von BAYER (DE000BAY0017) über 40 Mio. EUR mit dem US-amerikanischen Zell- und Gentherapiespezialisten Mammoth Bioscience zur Entwicklung biotechnologischer Präparate gegen Lebererkrankungen, nach deren erfolgreicher Markteinführung für das gesamte Kooperationsprojekt insgesamt im besten Falle Meilensteineinnahmen von bis zu 1 Mrd. USD anfallen könnten.

Hierüber hatten wir auch schon in dieser zurückliegenden Analyse ausführlich berichtet.

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Werbebanner ClaudemusZum anderen gab Stefan Oelrich, Leiter der Pharmasparte von Bayer, im Rahmen der vom 11. – 14.01. abgehaltenen, virtuellen jährlichen Gesundheits-Branchenkonferenz von JP Morgan, zu erkennen, dass sich die anfänglichen Absatzerfolge des 2020 international eingeführten Prostatakrebs-Medikaments NUBEQUA (Jahresumsatz 2021: 220 Mio. EUR) wie auch des seit Mitte 2021 in den USA zugelassenen Medikaments gegen chronische Nierenerkrankungen sowie Diabetes vom Typ 2, gemessen an den konzerninternen Projektionen, sehr erfreulich angelassen hätten.

Der Konzern, so Oelrich weiter, könnte sich daher ungefähr zur Mitte des laufenden Jahres eventuell durchaus veranlasst sehen, seine künftigen Umsatzprognosen für beide Medikamente nach oben zu revidieren, da Bayer auch weiterhin beiden Medikamenten längerfristig ein maximales Jahresumsatzpotenzial von jeweils über 1 Mrd. EUR beimisst.

Diese positiven Nachrichten kommen gerade zur rechten Zeit, stand den strategisch fraglos sehr positiven Expansionsambitionen der Pharmasparte von Bayer doch entgegen, dass insbesondere die international erworbenen einzelnen Teilpatente auf ihr Blockbuster-Medikament, den Blutgerinnungshemmer XARELTO, wie aber auch ihrer Injektionslösung gegen Augen-Netzhauterkrankungen (Macula-Degeneration), EYLEA, ab 2024 sukzessive auszulaufen beginnen (z.B. Gesamtpatent für XARELTO in der EU derzeit vorerst bis Januar 2026 gültig).

Angesichts des bereits auf 9 Monats-Basis 2021 aus unserer Sicht ebenfalls kaum zufrieden stellenden Rückgangs des operativen EBIT-Gewinns aus dem gewöhnlichen Geschäft (d.h. vor Sondereinflüssen) um fast – 5 % gegenüber dem Vorjahr lässt dies künftig zumindest eine sehr aktiv betriebene Arrondierung der Pharma-Pipeline von Bayer nach unserer Auffassung schon fast unverzichtbar werden.

Treibt Bayer also momentan jegliche Maßnahmen mit einer sehr zielgerichteten und von uns stark begrüßten Vehemenz voran, um wenigstens in ihrer zukunftsträchtigsten Pharmasparte mit der internationalen Konkurrenz sowohl hinsichtlich der langfristigen Umsatz- wie auch Gewinnerzielung auch in den kommenden Jahren bestmöglich Schritt zu halten, so wird das auf Pflanzenschutzmittel konzentrierte Agrar-Geschäft von Bayer, das in den ersten 9 Monaten 2021 konjunkturbedingt mit einem Zuwachs des operativen EBIT-Gewinns vor Sondereinflüssen um + 28 % die Pharmasparte sogar noch deutlich übertrumpft hatte, profitabilitätsseitig nach wie vor von den anhaltenden Schadensersatzzahlungen sowie auch für die Zukunft weiterhin vorgenommenen Rückstellungsbildungen gegen die weiteren Glyphosat-Klagen in den USA verhagelt, die dem Konzern auf 9 Monats-Basis 2021 nach Berücksichtigung dieser Sondereinflüsse erneut einen operativen Spartenverlust von – 1,93 Mrd. EUR beschert hatten (wenn auch dieser damit natürlich weitaus glimpflicher ausfiel als noch der operative 9 Monats-Spartenverlust des Vorjahres von – 18,7 Mrd. EUR).

 

Glyphosat-Klagen weiterhin entscheidend für künftige Aktienperspektiven

 

In unserer weiteren Analyse zu Bayer vom 05.01. hatten wir in diesem Zusammenhang, gerade auch nach der vor 2 Wochen nun auch noch erstmals erfolgten Einreichung von Klagen durch eine geballte Vertretung von über 250 institutionellen deutschen Aktionären gegen die in 2016 erfolgte Monsanto-Übernahme aufgrund unzureichender Aufklärung über die Gewinn- und Aktienkursrisiken der anhängigen US-Glyphosat-Klagen sowie der darauf gestützten aktuellen Schadensersatzforderung von immerhin rd. 2,2 Mrd. EUR, unsere Einschätzung sehr betont dargelegt, dass diese nach wie vor anhängigen Klage- und Prozesserhebungen gegen Bayer nicht etwa nur dem psychologischen Anlegersentiment, sondern ebenso sehr auch den Konzerngewinnperspektiven auf eine momentan kaum einzugrenzende Zeitspanne abträglich sein dürften.

Schließlich ließ der Bayer-Vorstand im Zusammenhang mit seiner letzten weiteren Bildung von Rückstellungen gegen künftige Glyphosat-Klagen bzw. -Vergleiche im Sommer 2021 im Volumen von 4,5 Mrd. EUR selbst durchblicken, dass sich diese Budgetveranschlagung auf mögliche Forderungen über den gewaltigen Zeitraum der kommenden rd. 15 Jahren erstrecken würde, was für uns die Frage der langfristigen Stichhaltigkeit und des Ausreichens dieser jetzigen Kalkulationsbasis derzeit natürlich schon fast unabsehbar werden lässt.

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Werbebanner ISIN-WatchlistAngesichts der aus unserer Sicht noch immer klar dominierenden, weitgehend intransparenten künftigen Ergebniswirksamkeit weiterer Glyphosat-Klageeinreichungen in den USA und nun auch in Deutschland, wie aber auch den aktuellen Pharmasparten-Nachrichten, die aus unserer Sicht jedoch eher auch den „defensiven“ Charakter in sich bergen, in dieser Sparte gleichfalls einen von uns derzeit ebenso kritisch gesehenen Pipeline- und Profitabilitätsrückstand gegenüber der internationalen Konkurrenz (insbesondere gegenüber den weltführenden Pharma-Giganten der USA) aufholen zu müssen, raten wir unter fundamentalanalytischen Aspekten von Engagements in der Bayer-Aktie selbst trotz ihres derzeit optisch auch noch so niedrig erscheinenden KGVs (2023e) von nur knapp 10 auch weiterhin ab.

Allein unter rein charttechnischen Gesichtspunkten sowie unter Ausblendung jeglicher fundamentaler Faktoren könnte nach der jetzt erfolgten Überwindung des im Oktober 2017 eröffneten, steilen Abwärtstrends ein spekulatives Trading-Investment kurzfristig auch in den kommenden Tagen/Wochen weiterhin von Erfolg gekrönt sein.

Die elementare nächste Widerstandsmarke für einen solchen allein charttechnisch motivierten Einstieg in die Bayer-Aktie liegt derzeit bei maximal rd. 60 EUR, was im denkbar besten Fall damit aktuell einen weiteren maximalen Tradinggewinn von fast 14 % möglich machen könnte.

 

Chart: BAYER

 

 

18.01.2022 - Matthias Reiner

Unterschrift - Matthias Reiner

 

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